
Die Hybridheizung ist selten die erhoffte Rettung, sondern oft eine Verdopplung von Komplexität, Kosten und regulatorischen Risiken.
- Sie kombinieren die Nachteile zweier Systeme: die Anschaffungs- und Wartungskosten einer Wärmepumpe und das finanzielle Risiko einer bald teurer werdenden Gasheizung.
- Die Förderung deckt nur den Wärmepumpen-Anteil, was die Gesamtinvestition im Vergleich zu reinen Wärmepumpen oft unattraktiv macht.
Empfehlung: Prüfen Sie stattdessen gezielte Sanierungsmaßnahmen wie den Austausch einzelner Heizkörper, um eine reine Wärmepumpe effizient betreiben zu können.
Als Eigentümer eines älteren, unsanierten Hauses stehen Sie vor einer gewaltigen Herausforderung. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) zwingt zum Handeln, doch der komplette Umstieg auf eine Wärmepumpe erscheint riskant. Was, wenn die Dämmung nicht ausreicht und das Haus im tiefsten Winter kalt bleibt? Die Stromrechnung könnte explodieren. In dieser Zwickmühle erscheint die Hybridheizung – eine Kombination aus Gas-Brennwertkessel und Wärmepumpe – wie die perfekte Lösung. Sie verspricht, das Beste aus beiden Welten zu vereinen: die Effizienz der Wärmepumpe für den Großteil des Jahres und die zuverlässige Leistung des Gases für die eiskalten Tage.
Doch aus meiner Sicht als Heizungstechniker, der täglich mit der Praxis konfrontiert ist, ist dieser Kompromiss oft trügerisch. Die Entscheidung für eine Hybridlösung ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine strategische Weichenstellung mit erheblichen finanziellen Konsequenzen. Anstatt eine zukunftssichere Lösung zu installieren, binden Sie sich an eine Technologie-Doppelung. Sie kaufen und warten zwei komplette Heizsysteme mit all ihren potenziellen Fehlerquellen. Das ist nicht nur eine Frage des Platzes im Keller, sondern vor allem eine der Kosten – heute und in Zukunft.
Aber was, wenn die wahre Rettung nicht in der Kombination veralteter und neuer Technik liegt, sondern in einem intelligenteren Verständnis Ihres bestehenden Systems? Bevor Sie in eine teure Brückentechnologie investieren, deren fossiler Anteil Sie schon bald teuer zu stehen kommt, sollten wir die kritischen Punkte analysieren. Dieser Artikel beleuchtet die entscheidenden Faktoren – vom Bivalenzpunkt über die realen Kosten bis hin zu den kaum bekannten Risiken –, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen, die nicht nur Ihr Haus heizt, sondern auch Ihren Geldbeutel schont.
Um die komplexe Entscheidung für oder gegen eine Hybridheizung zu strukturieren, führt dieser Artikel Sie durch die acht entscheidenden Fragen, die jeder Eigentümer eines Altbaus beantworten muss, bevor er investiert.
Inhaltsverzeichnis: Die Hybridheizung im Altbau – eine kritische Analyse
- Bivalenzpunkt erklärt: Ab welcher Außentemperatur sollte das Gas einspringen?
- Wie bringen Sie zwei Systeme und Puffer im kleinen Reihenhauskeller unter?
- Warum ist die Hybridlösung in Anschaffung und Wartung oft teurer als die reine Wärmepumpe?
- Das Risiko, in eine neue Gastechnik zu investieren, die bald CO₂-bepreist wird
- Wann bekommen Sie für den Gas-Teil der Hybridheizung keinen Cent Förderung mehr?
- Strom oder Gas: Welche Physik gewinnt im schlecht gedämmten Altbau?
- Wärmepumpe, Biomethan oder Hybrid: Welche Erfüllungsoption passt zu Ihrem Budget?
- Funktioniert eine Wärmepumpe in Ihrem ungedämmten Altbau auch ohne Fußbodenheizung effizient?
Bivalenzpunkt erklärt: Ab welcher Außentemperatur sollte das Gas einspringen?
Der Bivalenzpunkt ist der Dreh- und Angelpunkt jeder Hybridheizung. Er definiert die Außentemperatur, bei der die Wärmepumpe an ihre Effizienzgrenze stößt und die Gasheizung die Wärmeerzeugung übernimmt oder unterstützt. Dieser Punkt ist kein fester Wert, sondern wird bei der Installation individuell auf Ihr Gebäude und Ihre Heizanlage eingestellt. Für die meisten Luft/Wasser-Wärmepumpen liegt der typische Bivalenzpunkt in Deutschland zwischen -2 °C und -8 °C. Die Wahl dieses Punktes ist ein kritischer Balanceakt zwischen Effizienz und Komfort.
Setzt man den Bivalenzpunkt zu hoch an (z. B. bei +3 °C), springt die Gasheizung häufig an. Das sorgt zwar für garantierte Wärme, aber der teure Wärmepumpen-Anteil läuft seltener und die Anlage arbeitet unwirtschaftlich. Setzt man ihn sehr niedrig an (z. B. bei -5 °C), maximiert man den Anteil der Wärmepumpe, riskiert aber, dass die Leistung an den kältesten Tagen nicht ausreicht oder die Wärmepumpe mit einem ineffizienten Heizstab nachheizen muss, was die Stromkosten in die Höhe treibt. Die Einstellung beeinflusst direkt Ihre jährlichen Betriebskosten.
Moderne Hybridheizungen gehen sogar noch einen Schritt weiter und nutzen eine dynamische Bivalenzpunkt-Regelung. Diese intelligenten Steuerungen berücksichtigen nicht nur die Außentemperatur, sondern auch die aktuellen Strom- und Gaspreise. Liegt das Preisverhältnis von Strom zu Gas beispielsweise bei 3:1, kann die Steuerung berechnen, bis zu welcher Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpenbetrieb günstiger ist. Dies optimiert zwar die Kosten, erhöht aber auch die Komplexität und die Abhängigkeit von der Steuerungstechnik – ein weiterer Punkt, der bei der Wartung berücksichtigt werden muss.
Die folgende Tabelle zeigt, wie die Wahl des Bivalenzpunkts den Anteil der jeweiligen Heizquelle und die Gesamteffizienz beeinflusst. Diese Daten basieren auf typischen Lastprofilen in Deutschland.
| Bivalenzpunkt | Anteil Wärmepumpe | Anteil Zusatzheizung | Effizienz |
|---|---|---|---|
| +3°C | ~60% | ~40% | Weniger effizient |
| 0°C | ~75% | ~25% | Standard |
| -5°C | ~95% | ~5% | Sehr effizient |
Wie bringen Sie zwei Systeme und Puffer im kleinen Reihenhauskeller unter?
Eine der größten praktischen Hürden bei der Installation einer Hybridheizung ist der schiere Platzbedarf. Sie müssen nicht nur eine Gastherme und eine Wärmepumpen-Inneneinheit unterbringen, sondern oft auch einen Pufferspeicher, der die Wärme zwischenspeichert und die Laufzeiten beider Systeme optimiert. In den typischerweise engen Kellern von Reihenhäusern oder älteren Einfamilienhäusern wird dies schnell zu einem Tetris-Spiel für den Installateur. Die Technologie-Doppelung schlägt hier voll zu: Zwei Systeme bedeuten doppelte Komponenten und komplexe Verrohrungen.
Die Herausforderung besteht darin, alle Komponenten so anzuordnen, dass sie nicht nur passen, sondern auch für zukünftige Wartungs- und Reparaturarbeiten zugänglich bleiben. Ein zu eng verbauter Heizungskeller wird zur „Wartungsfalle“, bei der selbst einfache Arbeiten wie der Austausch eines Ventils zur kostspieligen Tortur werden können. Moderne Hersteller bieten zwar immer kompaktere Lösungen an, doch die physikalischen Grenzen bleiben.

Wie die Abbildung andeutet, ist eine sorgfältige Planung unerlässlich. Hersteller haben auf das Platzproblem reagiert und bieten integrierte Lösungen an, die den Platzbedarf minimieren. Dazu gehören:
- Kompakte Hydrauliktower: Diese Einheiten kombinieren die Inneneinheit der Wärmepumpe, den Pufferspeicher und die gesamte Hydraulik auf einer Grundfläche von oft weniger als einem Quadratmeter.
- Wandmontage: Viele moderne Gas-Brennwertgeräte und auch manche Wärmepumpen-Inneneinheiten sind für die Wandmontage konzipiert, was wertvollen Bodenplatz freigibt.
- Systeme ohne Pufferspeicher: Einige fortschrittliche Hybrid-Systeme können unter bestimmten Bedingungen auf einen Pufferspeicher verzichten, was den Platzbedarf erheblich reduziert. Ein Praxisbeispiel aus Schleswig-Holstein zeigt, dass in einem Einfamilienhaus durch ein nur 17,5 cm tiefes Umrüst-Set, das hinter den Gaskessel montiert wurde, der Pufferspeicher überflüssig wurde.
Trotz dieser Innovationen bleibt die Regel: Der Platzbedarf ist ein kritischer Faktor, der die Auswahl der Komponenten stark einschränken und die Installationskosten in die Höhe treiben kann. Eine genaue Vermessung und Planung durch einen Fachbetrieb ist daher unerlässlich.
Warum ist die Hybridlösung in Anschaffung und Wartung oft teurer als die reine Wärmepumpe?
Der Gedanke, das Beste aus zwei Welten zu kombinieren, hat einen hohen Preis. Entgegen der landläufigen Meinung ist eine Hybridheizung in der Gesamtbetrachtung oft die teuerste aller Heizungsoptionen. Die reinen Investitionskosten sind bereits enorm: Für ein typisches Einfamilienhaus müssen Sie mit Gesamtinvestitionskosten zwischen 28.000 und 42.000 Euro rechnen. Damit liegen sie deutlich über den Kosten für eine reine Wärmepumpe oder eine neue Gasheizung.
Der Hauptgrund liegt in der bereits erwähnten Technologie-Doppelung. Sie kaufen im Grunde zwei komplette Heizsysteme: eine voll funktionsfähige Wärmepumpe und einen Gas-Brennwertkessel. Jedes dieser Systeme hat seine eigenen Anschaffungskosten, seine eigene komplexe Steuerung und seinen eigenen Installationsaufwand. Der größte finanzielle Fallstrick lauert jedoch bei den laufenden Kosten. Sie zahlen für:
- Doppelte Wartung: Beide Systeme müssen regelmäßig von einem Fachmann gewartet werden. Die Wärmepumpe benötigt eine Kältemittelprüfung, die Gasheizung eine Abgasmessung. Das verdoppelt die jährlichen Wartungskosten.
- Doppelte Reparaturanfälligkeit: Mehr Komponenten bedeuten mehr potenzielle Fehlerquellen. Ein Ausfall der Steuerung, die beide Systeme koordiniert, kann besonders komplex und teuer zu beheben sein.
- Schornsteinfegerkosten: Der Gas-Teil der Anlage unterliegt weiterhin der regelmäßigen Überprüfung durch den Schornsteinfeger, Kosten, die bei einer reinen Wärmepumpe entfallen.
Zudem wurde die Förderung für Hybridheizungen mit fossilen Brennstoffen bereits 2022 drastisch gekürzt. Seit 2024 ist nur noch der erneuerbare Anteil der Anlage förderfähig, und das auch nur, wenn dieser mindestens 65 % der Heizlast abdeckt. Die Kosten für das Gasgerät, den Gasanschluss und den Schornstein müssen Sie vollständig selbst tragen. Dies verringert die Attraktivität der Hybridlösung im Vergleich zu einer voll förderfähigen, reinen Wärmepumpe erheblich. Am Ende investieren Sie einen hohen Betrag in eine Brückentechnologie, deren fossiler Teil ein finanzielles Auslaufmodell ist.
Das Risiko, in eine neue Gastechnik zu investieren, die bald CO₂-bepreist wird
Die Entscheidung für eine Hybridheizung ist nicht nur eine Investition in Technik, sondern auch eine Wette auf die zukünftige politische und wirtschaftliche Entwicklung. Und diese Wette wird immer riskanter. Der Gas-Teil Ihrer neuen, teuren Anlage ist eine direkte Investition in eine fossile Technologie, die durch die CO₂-Bepreisung systematisch verteuert wird. Dieses regulatorische Risiko ist der größte Elefant im Raum, der von Verkäufern oft kleingeredet wird.
Aktuell liegt der CO₂-Preis in Deutschland bei 45 Euro pro Tonne (Stand 2024). Doch das ist nur der Anfang. Prognosen gehen davon aus, dass der Preis bis 2030 auf 100 bis 200 Euro pro Tonne steigen wird. Jeder Kubikmeter Gas, den Ihre Hybridanlage an kalten Tagen verbrennt, wird somit Jahr für Jahr teurer. Die vermeintliche Sicherheit durch den Gaskessel erkaufen Sie sich mit absehbar explodierenden Betriebskosten.

Noch kritischer wird es ab 2027. Wie die Fachredaktion von thermondo.de hervorhebt:
Ab 2027 wird der feste CO2-Preis vom europäischen Emissionshandel abgelöst und orientiert sich dann komplett am Markt
– thermondo.de Fachredaktion, Hybridheizung 2025: Diese neuen Förderrichtlinien gelten
Das bedeutet, der Preis wird volatil und richtet sich nach Angebot und Nachfrage von Emissionszertifikaten – mit einer klaren Tendenz nach oben. Ihre Gasheizung wird so zu einem „stranded asset“, einem gestrandeten Vermögenswert. Sie haben Tausende von Euros in eine Technik investiert, deren Nutzung unbezahlbar wird. Die Hybridheizung verwandelt sich von einer Brückentechnologie in eine finanzielle Sackgasse, aus der Sie nur mit einer weiteren teuren Investition wieder herauskommen: dem Austausch des Gaskessels.
Wann bekommen Sie für den Gas-Teil der Hybridheizung keinen Cent Förderung mehr?
Die Antwort auf diese Frage ist einfach und ernüchternd: sofort. Seit der Reform der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) im Jahr 2022 gibt es für den fossilen Teil einer Hybridheizung keinerlei staatliche Zuschüsse mehr. Wenn Sie sich heute für die Kombination aus Gas und Wärmepumpe entscheiden, fördert der Staat ausschließlich die Wärmepumpen-Komponente und die damit verbundenen Installationskosten („Umfeldmaßnahmen“). Die Kosten für den Gas-Brennwertkessel, den Gasanschluss, die Abgasanlage und deren Einbau müssen Sie zu 100 % aus eigener Tasche bezahlen.
Diese Regelung hat die Wirtschaftlichkeit von Hybridheizungen fundamental verändert. Während Sie für eine reine Wärmepumpe eine Grundförderung von 30 % und diverse Boni (bis zu 70 % der förderfähigen Kosten) erhalten können, schrumpft die Bemessungsgrundlage bei einer Hybridanlage erheblich. Der teure Gaskessel wird zur reinen Privatinvestition ohne staatliche Unterstützung. Das macht die Hybridlösung im direkten Vergleich oft unattraktiv.
Eine clevere, aber oft übersehene Alternative ist die „Hybrid-Ready“-Lösung. Dabei installieren Sie eine voll förderfähige Wärmepumpe, die bereits für den kombinierten Betrieb ausgelegt ist, und lassen Ihre alte, noch funktionierende Gasheizung vorerst als Spitzenlastkessel weiterlaufen. So maximieren Sie die Förderung für die neue Technik und können den Austausch der alten Gasheizung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, wenn es finanziell oder technisch notwendig wird. Dies ist oft der wirtschaftlich sinnvollere Weg.
Bevor Sie einen Förderantrag stellen oder einen Auftrag vergeben, ist es entscheidend, die förderfähigen von den nicht förderfähigen Kosten exakt zu trennen. Das folgende Vorgehen hilft Ihnen dabei, keine bösen Überraschungen zu erleben.
Ihr Plan zur Identifizierung förderfähiger Kosten
- Angebot aufschlüsseln lassen: Bestehen Sie auf einem detaillierten Angebot, das alle Komponenten und Arbeitsschritte als Einzelpositionen auflistet.
- Wärmepumpen-Komponenten ausweisen: Lassen Sie alle Teile, die direkt zur Wärmepumpe gehören (Außen- und Innengerät, Speicher, Steuerung), separat ausweisen.
- Gas-Komponenten identifizieren: Identifizieren Sie klar die Kosten für den Gaskessel, den Gasanschluss und die notwendigen Schornstein- oder Abgasarbeiten.
- Nur Wärmepumpen-Kosten einbeziehen: Geben Sie im Förderantrag bei der BAFA ausschließlich die Summe der förderfähigen Wärmepumpen-Kosten an.
- Förderquote korrekt anwenden: Berechnen Sie den Zuschuss (z.B. 30-70%), indem Sie die Förderquote nur auf die zuvor ermittelten, förderfähigen Kosten anwenden.
Strom oder Gas: Welche Physik gewinnt im schlecht gedämmten Altbau?
Im schlecht gedämmten Altbau mit alten Heizkörpern tobt ein physikalischer Kampf. Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten, wenn sie nur geringe Vorlauftemperaturen erzeugen muss, idealerweise unter 45 °C, wie es bei einer Fußbodenheizung der Fall ist. Eine Gasheizung hingegen kann problemlos hohe Temperaturen von 70 °C oder mehr liefern. Genau hier liegt der Kern des Problems: Ein unsaniertes Haus verliert viel Wärme und benötigt hohe Temperaturen, um an kalten Tagen behaglich warm zu werden. Zwingt man eine Wärmepumpe, diese hohen Temperaturen zu liefern, bricht ihre Effizienz (der COP-Wert) dramatisch ein, und der Stromverbrauch schnellt in die Höhe.
Als Faustformel für die Wirtschaftlichkeit in Deutschland gilt: Reicht an den kältesten Tagen eine maximale Vorlauftemperatur von 55 °C aus, um das Gebäude warm zu bekommen, kann eine Wärmepumpe wirtschaftlich betrieben werden. Liegt der Bedarf darüber, wird es kritisch. Der entscheidende Faktor ist das Verhältnis zwischen dem Strompreis und dem Gaspreis im Verhältnis zur Effizienz der jeweiligen Technologie. Man kann die Wirtschaftlichkeitsschwelle selbst berechnen: Ist der Preis pro Kilowattstunde Wärme aus der Wärmepumpe niedriger als der aus der Gasheizung?
Ein Beispiel macht es deutlich: Angenommen, der Strom kostet 30 Cent/kWh und das Gas 10 Cent/kWh. Der Wirkungsgrad der Gasheizung liegt bei etwa 95%. Die Kosten pro kWh Wärme aus Gas betragen also 10 ct / 0,95 = 10,5 Cent. Um günstiger zu sein, muss die Wärmepumpe einen COP (Coefficient of Performance) von mindestens 3,2 erreichen, denn 30 ct / 3,2 = 9,4 Cent pro kWh Wärme. Schafft die Wärmepumpe aufgrund hoher Vorlauftemperaturen nur einen COP von 2,5, kostet die kWh Wärme 12 Cent – und damit mehr als die Gasheizung. In diesem Moment gewinnt die Physik des Gases. Die Hybridheizung schaltet dann logischerweise auf Gas um, um Kosten zu sparen – aber eben zu dem Preis, dass Sie die teure CO₂-Abgabe zahlen.
Wärmepumpe, Biomethan oder Hybrid: Welche Erfüllungsoption passt zu Ihrem Budget?
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt vor, dass neue Heizungen zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Die Hybridheizung ist eine Option, aber bei weitem nicht die einzige. Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, müssen Sie die Alternativen mit ihren jeweiligen Investitions- und Betriebskosten vergleichen. Jede Lösung hat spezifische Vor- und Nachteile, die zu Ihrem Budget und Ihrer Immobilie passen müssen.
Hier sind die drei gängigsten Erfüllungsoptionen im direkten Vergleich:
- Reine Wärmepumpe: Die favorisierte Lösung des Gesetzgebers. Sie ist hoch förderfähig (bis zu 70 %) und hat im Betrieb die niedrigsten Kosten, sofern die Systemvoraussetzungen (ausreichend große Heizkörper, moderate Vorlauftemperaturen) stimmen. Die Investition ist hoch, wird aber durch die Förderung abgefedert.
- Hybridheizung (Gas + WP): Wie besprochen, die teuerste Investition mit doppelten Wartungskosten. Die Förderung ist auf den WP-Anteil beschränkt, und die Betriebskosten sind eine Mischung aus günstigerem Wärmepumpen-Strom und teurem, CO₂-bepreistem Gas.
- Neue Gasheizung mit Biomethan: Die auf den ersten Blick günstigste Investition. Sie können eine neue Gasheizung installieren, müssen sich aber verpflichten, mindestens 65 % Ihres Gasbedarfs mit zertifiziertem Biomethan zu decken. Der Haken: Es gibt keine Förderung, und die Betriebskosten explodieren. Aktuell sind die Kosten für Biomethan 3- bis 4-mal höher als für Erdgas. Diese Option ist meist eine Kostenfalle.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten finanziellen Aspekte der verschiedenen Optionen zusammen, basierend auf Daten von Finanztipp und anderen Marktbeobachtern für ein durchschnittliches Einfamilienhaus.
| Option | Investition | Förderung | Betriebskosten |
|---|---|---|---|
| Reine Wärmepumpe | 27.000-40.000€ | bis 70% | Niedrig |
| Hybridheizung | 36.000-65.000€ | 30-70% (nur WP) | Mittel |
| Biomethan | 9.000-15.000€ | 0% | 3-4x höher als Erdgas |
Die Zahlen zeigen deutlich: Die Hybridheizung ist in der Anschaffung oft die teuerste Variante. Die Entscheidung für eine bestimmte Technologie sollte daher nicht nur auf der reinen Investitionssumme, sondern auf einer ehrlichen Gesamtkostenbetrachtung über 15-20 Jahre basieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Hybridheizung verdoppelt die Anlagentechnik, was zu höheren Anschaffungs-, Wartungs- und Reparaturkosten führt.
- Das finanzielle Risiko ist erheblich: Der Gas-Anteil wird durch die steigende CO₂-Bepreisung immer teurer und ist nicht förderfähig.
- Oft ist es wirtschaftlicher, gezielt 2-3 kritische Heizkörper zu tauschen, um eine voll förderfähige, reine Wärmepumpe effizient betreiben zu können.
Funktioniert eine Wärmepumpe in Ihrem ungedämmten Altbau auch ohne Fußbodenheizung effizient?
Dies ist die Millionen-Euro-Frage für jeden Altbaubesitzer und der Hauptgrund, warum viele über eine Hybridheizung nachdenken. Die weit verbreitete Annahme ist: „Ohne Fußbodenheizung funktioniert eine Wärmepumpe nicht.“ Das ist schlicht falsch. Richtig ist: Eine Wärmepumpe benötigt eine möglichst große Heizfläche, um mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten zu können. Eine Fußbodenheizung ist dafür ideal, aber oft können auch bestehende Heizkörper diese Aufgabe erfüllen – oder mit gezielten, kostengünstigen Maßnahmen dazu befähigt werden.
Anstatt pauschal das ganze Haus zu sanieren oder in eine teure Hybridlösung zu investieren, ist der pragmatische Ansatz eines Technikers, das schwächste Glied in der Kette zu finden und zu ersetzen. In einem Altbau reichte beispielsweise der Austausch von nur 3 Heizkörpern in den Haupträumen (Wohnzimmer, Bad) aus, um die nötige Systemtemperatur von 70°C auf wärmepumpentaugliche 55°C zu senken. Die Kosten dafür lagen bei rund 2.500 Euro – ein Bruchteil der 15.000 Euro, die ein kompletter Austausch aller Heizkörper gekostet hätte.
Sie können selbst eine erste Einschätzung vornehmen, ob Ihre Heizkörper geeignet sind. Führen Sie dazu folgende Schritte durch:
- Heizkörpertyp identifizieren: Haben Sie alte, schwere Gussheizkörper (Typ 1) oder bereits modernere Plattenheizkörper (Typ 22 oder 33)? Letztere haben eine deutlich größere Oberfläche und sind besser geeignet.
- Heizlast an einem kalten Tag testen: Reduzieren Sie die Vorlauftemperatur Ihrer alten Heizung an einem kalten Wintertag schrittweise auf 55°C. Werden alle Räume noch ausreichend warm?
- Kritische Räume identifizieren: Notieren Sie, welche Räume (oft Wohnzimmer, Bad, schlecht isolierte Eckzimmer) nicht mehr warm genug werden.
- Gezielter Austausch: Nur in diesen 2-3 kritischen Räumen müssen die alten Heizkörper gegen größere Niedertemperatur-Heizkörper oder spezielle Wärmepumpen-Heizkörper getauscht werden.
- Heizkörper-Lüfter nachrüsten: Eine sehr günstige Alternative ist die Nachrüstung von kleinen Lüftern (ca. 50-100€ pro Stück) unter den bestehenden Heizkörpern. Diese erhöhen die Konvektion und steigern die Wärmeabgabe bei niedrigeren Temperaturen erheblich.
Diese Maßnahmen können den entscheidenden Unterschied machen und den Weg für eine effiziente, reine Wärmepumpe ebnen – ganz ohne die Komplexität und die Kompromisse einer Hybridheizung.
Häufige Fragen zur Förderung der Hybridheizung
Wird der Gas-Brennwertkessel in einer Hybridheizung gefördert?
Nein, seit 2022 wird ausschließlich der erneuerbare Teil (Wärmepumpe) gefördert. Die Kosten für Gasgerät, Gasanschluss und Schornstein müssen zu 100% selbst getragen werden.
Gibt es Ausnahmen bei der Förderung?
Keine. Gemäß den BEG-Richtlinien der BAFA ist ausschließlich die Wärmepumpen-Komponente förderfähig, niemals der fossile Teil.
Was ist die ‚Hybrid-Ready‘ Alternative?
Eine förderfähige ‚Hybrid-Ready‘ Wärmepumpe installieren und die alte Gasheizung vorerst weiterbetreiben. Dies maximiert die Förderung.