
Die Beteiligung an geschlossenen Windfonds verspricht grüne Rendite, birgt für Anleger aber erhebliche unternehmerische Risiken, die oft im Kleingedruckten versteckt sind.
- Die wahre Rendite hängt von einer realistischen Kalkulation des internen Zinsfußes (IRR) ab, nicht von den Hochglanz-Versprechen im Verkaufsprospekt.
- Rechtliche Fallstricke wie eine potenzielle Nachschusspflicht und die steuerliche Behandlung als gewerbliche Einkünfte müssen vorab penibel geprüft werden.
Empfehlung: Analysieren Sie den Gesellschaftsvertrag und die Post-EEG-Strategie des Fonds forensisch, bevor Sie Ihr Kapital für bis zu 20 Jahre binden.
Für vermögende Privatanleger auf der Suche nach Diversifikation klingen geschlossene Windfonds wie die perfekte Anlageklasse: stabile, kalkulierbare Cashflows, ein Beitrag zur Energiewende und eine gefühlte Unabhängigkeit von den Launen der Börse. Das Marketing der Anbieter unterstreicht diese Vorteile mit Bildern von sauberen Windrädern und Prognosen von attraktiven Renditen. Die gängige Empfehlung lautet oft, auf grüne Siegel zu achten und einen Blick in den Verkaufsprospekt zu werfen.
Doch dieser Ansatz greift zu kurz. Ein geschlossener Windfonds ist kein Sparbuch mit grüner Schleife, sondern eine unternehmerische Beteiligung mit allen Konsequenzen. Die wahre Prüfung eines solchen Investments liegt nicht im oberflächlichen Abgleich von Marketingversprechen, sondern in der forensischen Analyse des Kleingedruckten. Die entscheidenden Fragen werden selten gestellt: Wie realistisch ist die angenommene Rendite wirklich? Welche Haftungsrisiken schlummern im Gesellschaftsvertrag? Und was passiert mit dem Windpark, wenn nach 20 Jahren die staatliche Förderung ausläuft?
Dieser Artikel ist Ihr Leitfaden für den kritischen Blick hinter die Kulissen. Als Ihr unabhängiger Anlageberater führe ich Sie durch die entscheidenden Prüfpunkte eines Emissionsprospekts. Wir decken auf, wo die Fallstricke bei der Haftung lauern, wie Sie Renditeprognosen auf den Prüfstand stellen, welche steuerlichen Aspekte Sie beachten müssen und welche Alternativen echten Mehrwert ohne Greenwashing-Gefahr bieten. Ziel ist es, Sie in die Lage zu versetzen, eine fundierte Entscheidung zu treffen, die Ihr Vermögen schützt und zugleich wirklich nachhaltig wirkt.
Um die Komplexität dieses Anlagetyps vollständig zu erfassen, gliedert sich unsere Analyse in mehrere Kernbereiche. Der folgende Überblick führt Sie durch die entscheidenden Stationen der Prospektprüfung.
Inhaltsverzeichnis: Die kritische Prüfung Ihrer Windfonds-Beteiligung
- Warum droht bei Kommanditbeteiligungen im schlimmsten Fall die Nachschusspflicht?
- Wie kalkulieren Sie die interne Verzinsung (IRR) bei 20 Jahren Laufzeit richtig?
- Genossenschaftsanteil vs. Fonds: Was bietet mehr Sicherheit und lokale Wertschöpfung?
- Der Fehler, illiquide Anteile zu kaufen, wenn Sie flexibel bleiben müssen
- Wann müssen Sie Gewinne aus Windparks als gewerbliche Einkünfte versteuern?
- Warum performen viele „dunkelgrüne“ Artikel-9-Fonds schlechter als der breite Markt?
- Bankkredit oder Schwarmfinanzierung: Was schließt Ihre Finanzierungslücke schneller?
- Welche grünen Fonds bieten in Deutschland echte Rendite ohne Greenwashing-Risiko?
Warum droht bei Kommanditbeteiligungen im schlimmsten Fall die Nachschusspflicht?
Die meisten geschlossenen Windfonds in Deutschland sind als Kommanditgesellschaft (KG) strukturiert. Als Anleger werden Sie zum Kommanditisten und damit zum Mitunternehmer. Im Verkaufsprospekt wird oft prominent damit geworben, dass eine Nachschusspflicht vertraglich ausgeschlossen ist. Das klingt beruhigend, doch die Realität ist komplexer. Ihre Haftung ist zwar auf die im Handelsregister eingetragene Haftsumme begrenzt, doch genau hier liegt der Knackpunkt: Wenn Sie Ausschüttungen erhalten, die nicht durch Gewinne gedeckt sind – sogenannte gewinnunabhängige Ausschüttungen –, lebt Ihre ursprüngliche Haftung wieder auf. Im Falle einer Insolvenz des Fonds könnten Gläubiger diese bereits erhaltenen Ausschüttungen von Ihnen zurückfordern. Dies ist keine theoretische Gefahr; es ist ein im Handelsgesetzbuch (HGB) verankertes unternehmerisches Risiko.
Ein entscheidendes Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2013 stellte klar, dass der vertragliche Ausschluss einer Nachschusspflicht die gesetzliche Haftungsregelung nach §§ 171 ff. HGB unberührt lässt. Das bedeutet: Ausschüttungen, die Ihre Einlage übersteigen oder zu einem negativen Kapitalkonto führen, können im Ernstfall zurückgefordert werden. Die Analyse des Emissionsprospekts ist daher unerlässlich, um zu prüfen, ob die Ausschüttungspolitik solide auf echten Gewinnen basiert oder ob sie nur eine Illusion von Rentabilität erzeugt, die später zum Bumerang werden kann.
Checkliste: So prüfen Sie das Risiko einer Nachschusspflicht
- Gesellschaftsvertrag prüfen: Suchen Sie nach § 3 Nr. 7 (oder einer ähnlichen Klausel), die den Ausschluss der Nachschusspflicht regelt. Achten Sie auf Formulierungen, die diesen Ausschluss einschränken.
- Haftsumme abgleichen: Vergleichen Sie die im Handelsregister eingetragene Haftsumme mit Ihrer tatsächlich eingezahlten Pflichteinlage. Gibt es eine Diskrepanz?
- Ausschüttungspolitik analysieren: Finden Sie im Emissionsprospekt Hinweise darauf, ob Ausschüttungen auch ohne erwirtschaftete Gewinne geplant sind. Dies ist ein rotes Tuch.
- Versteckte Klauseln suchen: Achten Sie auf Formulierungen wie „unvorhergesehene Kosten“ oder „weiche Patronatserklärungen“, die indirekt zu Zahlungsverpflichtungen führen könnten.
- HGB-Verweis sicherstellen: Prüfen Sie, ob der Vertrag die Haftungsbeschränkung explizit im Kontext der §§ 171 ff. HGB erwähnt und sauber regelt.
Letztendlich bedeutet die Beteiligung als Kommanditist, dass Sie nicht nur Kapitalgeber, sondern Teil des Unternehmens sind. Der Verzicht auf eine sorgfältige Prüfung dieser Haftungsdetails ist einer der größten Fehler, den risikoscheue Anleger machen können.
Wie kalkulieren Sie die interne Verzinsung (IRR) bei 20 Jahren Laufzeit richtig?
Der interne Zinsfuß (IRR), im Deutschen auch interne Verzinsung genannt, ist die zentrale Kennzahl im Verkaufsprospekt, die Ihnen die erwartete Rendite Ihres Investments vorgaukelt. Sie wird oft mit 6 %, 7 % oder mehr angegeben. Doch der IRR ist keine feste Größe, sondern das Ergebnis einer Modellrechnung, die auf vielen Annahmen beruht. Ihre Aufgabe als kritischer Investor ist es, diese Annahmen zu hinterfragen. Die Laufzeit eines Windfonds orientiert sich typischerweise an der Dauer der staatlich garantierten Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Für viele Anlagen endet diese Förderung nach exakt 20 Jahren. Die entscheidende Frage lautet: Was passiert danach? Ein seriöser Prospekt muss eine plausible Post-EEG-Strategie darlegen. Werden die Stromerträge über langfristige Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) mit der Industrie gesichert? Oder spekuliert der Fonds auf volatile Spotmarktpreise? Eine weitere Schwachstelle in vielen IRR-Kalkulationen sind die angenommenen Betriebskosten. Besonders in der zweiten Dekade der Laufzeit steigen die Kosten für Wartung und Instandhaltung oft deutlich an, was in optimistischen Prognosen gerne unterschätzt wird.
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie sich die Rahmenbedingungen über die Zeit verändert haben und welche Parameter in einer heutigen Kalkulation kritisch zu bewerten sind. Besonders der Anstieg der Betriebskosten in der zweiten Dekade ist ein Faktor, der die reale Rendite erheblich schmälern kann.
| Parameter | 2024 (Ausschreibungsmodell) | 2010 (Feste EEG-Vergütung) |
|---|---|---|
| Vergütungszeitraum | 20 Jahre | 20 Jahre |
| Finanzierungsdauer | Ø 19 Jahre | 15-18 Jahre |
| Betriebskosten 2. Dekade | +15-20% erhöht | Konstant kalkuliert |
| Post-EEG Option | PPA/Spotmarkt geplant | Nicht berücksichtigt |
Fordern Sie vom Anbieter einen Sensitivitätsanalyse an: Wie verändert sich der IRR, wenn die Strompreise um 10 % sinken oder die Betriebskosten um 10 % steigen? Nur so können Sie die Robustheit der Renditeprognose wirklich beurteilen.
Genossenschaftsanteil vs. Fonds: Was bietet mehr Sicherheit und lokale Wertschöpfung?
Für Anleger, denen neben der Rendite auch Sicherheit und ein echter regionaler Mehrwert wichtig sind, stellt die Beteiligung an einer Energiegenossenschaft eine interessante Alternative zum geschlossenen Fonds dar. In Deutschland ist dieses Modell weit verbreitet: laut Deutschem Genossenschafts- und Raiffeisenverband haben 951 Energiegenossenschaften mit 220.000 Mitgliedern bereits rund 3,6 Milliarden Euro investiert, vor allem in erneuerbare Energien. Der fundamentale Unterschied liegt in der Struktur: Während Sie bei einem Fonds Mitunternehmer mit begrenztem Einfluss sind, gilt bei einer Genossenschaft in der Regel das Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“, unabhängig von der Höhe der Einlage. Dies sorgt für eine demokratische Kontrolle.
Zudem ist die Nachschusspflicht bei den meisten Energiegenossenschaften per Satzung ausgeschlossen, was das Risiko für den Anleger deutlich reduziert. Die Renditeerwartungen sind mit typischerweise 2-4 % pro Jahr zwar oft niedriger als die Ziel-IRR von Fonds, dafür aber in der Regel stabiler und transparenter. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist die lokale Wertschöpfung, wie das folgende Beispiel zeigt.
Fallstudie: Windpark Rotmainquelle – Bürgerbeteiligung mit Bonus
Der OSTWINDpark Rotmainquelle in Bayern ist ein Paradebeispiel für gelungene lokale Wertschöpfung. Rund 200 Anleger, darunter die lokale Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen Energie eG Creußen, beteiligten sich am Projekt. Dank hoher Stromerlöse konnte im Jahr 2022 nicht nur eine Rendite von 6 % ausgeschüttet, sondern auch ein freiwilliger Bonus gezahlt werden. Davon profitierte auch die Standortgemeinde: Da 90 % der Gewerbesteuer an die Kommune fließen, konnte der Landkreis Bayreuth Einnahmen in Höhe von 1,5 Millionen Euro verbuchen.
Die Entscheidung zwischen Fonds und Genossenschaft ist eine Abwägung zwischen potenziell höherer Rendite (und höherem Risiko) beim Fonds und mehr Sicherheit, Mitbestimmung und lokaler Verankerung bei der Genossenschaft. Für risikoscheue Anleger ist das Genossenschaftsmodell oft die solidere Wahl.
Der Fehler, illiquide Anteile zu kaufen, wenn Sie flexibel bleiben müssen
Einer der am häufigsten unterschätzten Nachteile geschlossener Fonds ist ihre extreme Illiquidität. Wenn Sie Ihr Kapital in einen Windfonds investieren, binden Sie es für die gesamte Laufzeit – oft 15 bis 20 Jahre. Ein vorzeitiger Ausstieg ist in der Regel nicht vorgesehen. Was aber, wenn sich Ihre Lebensumstände ändern, Sie unerwartet Kapital benötigen oder einfach nur Ihre Anlagestrategie anpassen möchten? Die Antwort der Prospekte ist der sogenannte Zweitmarkt. Doch dieser ist kein Allheilmittel. Der Handel mit gebrauchten Fondsanteilen ist intransparent, illiquide und meist mit erheblichen Preisabschlägen verbunden. Es ist nicht unüblich, dass Anleger beim Notverkauf Verluste von 30 % bis 50 % auf ihr eingesetztes Kapital hinnehmen müssen.
Der fundamentale Fehler besteht darin, einen signifikanten Teil des Vermögens in eine Anlageklasse zu stecken, die keinerlei Flexibilität bietet. Eine solche Beteiligung sollte immer nur einen kleinen, klar definierten Anteil im Portfolio ausmachen, dessen potenzieller Totalverlust verkraftbar wäre. Bevor Sie zeichnen, müssen Sie sich ehrlich fragen: Kann ich auf dieses Geld wirklich für 20 Jahre verzichten, komme was wolle?
Für Anleger, die in Windenergie investieren, aber flexibel bleiben möchten, gibt es Alternativen. Folgende Punkte sollten Sie bei Ihrer Liquiditätsplanung berücksichtigen:
- Prüfen Sie Ihren Liquiditätsbedarf: Machen Sie eine ehrliche Bestandsaufnahme Ihrer finanziellen Pläne für die nächsten 10-20 Jahre. Stehen größere Ausgaben an?
- Verluste einkalkulieren: Seien Sie sich bewusst, dass ein vorzeitiger Verkauf am Zweitmarkt fast immer mit empfindlichen Verlusten verbunden ist.
- Offene Fonds erwägen: Einige offene Sachwertefonds investieren ebenfalls in Erneuerbare-Energien-Anlagen, bieten aber in der Regel bessere (wenn auch nicht unbegrenzte) Rückgabemöglichkeiten.
- Anlage in Windenergie-Aktien/ETFs: Für maximale Liquidität können Sie in börsennotierte Unternehmen aus der Windbranche oder spezialisierte ETFs investieren. Hier haben Sie tägliche Handelbarkeit, tragen dafür aber das volle Aktienmarktrisiko.
Die Entscheidung für einen geschlossenen Fonds ist eine Entscheidung gegen Flexibilität. Dies muss jedem Anleger vor der Unterschrift unmissverständlich klar sein.
Wann müssen Sie Gewinne aus Windparks als gewerbliche Einkünfte versteuern?
Ein weiterer entscheidender Punkt, der in der Beratung oft zu kurz kommt, ist die steuerliche Behandlung der Erträge. Anders als bei Aktiengewinnen oder Zinsen, die der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 % (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) unterliegen, werden die Ausschüttungen aus einem als KG strukturierten Windfonds steuerlich völlig anders behandelt. Als Mitunternehmer erzielen Sie keine Kapitalerträge, sondern Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Dies bestätigen auch Branchenexperten wie Euramco Asset, die für das Jahr 2021 klarstellen, dass die Besteuerung zum persönlichen Steuersatz erfolgt.

Das bedeutet, die Gewinne werden zu Ihrem übrigen zu versteuernden Einkommen (z.B. aus Gehalt, Rente oder Vermietung) addiert und mit Ihrem individuellen, progressiven Steuersatz versteuert. Für vermögende Anleger im Spitzensteuersatz kann dies eine Steuerbelastung von bis zu 45 % bedeuten – fast doppelt so hoch wie die Abgeltungsteuer. Diese steuerliche Behandlung kann die Netto-Rendite nach Steuern erheblich schmälern und muss in jede seriöse Renditeberechnung einfließen. Ein im Prospekt ausgewiesener IRR von 6 % vor Steuern kann nach Abzug des persönlichen Spitzensteuersatzes schnell auf unter 3,5 % schrumpfen.
Zudem bedeutet die Einstufung als gewerbliche Einkünfte einen erhöhten administrativen Aufwand. Sie müssen die Ergebnisse aus der Beteiligung in der Anlage G Ihrer Einkommensteuererklärung angeben. Ein guter Fonds-Anbieter stellt seinen Anlegern zwar eine entsprechende Aufstellung zur Verfügung, dennoch ist der Prozess komplexer als bei reinen Kapitalanlagen. Die steuerliche Dimension ist ein perfektes Beispiel dafür, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung ist, die über die reine Marketing-Rendite hinausgeht.
Warum performen viele „dunkelgrüne“ Artikel-9-Fonds schlechter als der breite Markt?
Viele Windfonds werden heute als „Artikel 9“-Fonds nach der EU-Offenlegungsverordnung klassifiziert. Dies ist die „dunkelgrünste“ Kategorie, die explizit nachhaltige Ziele verfolgt. Paradoxerweise zeigen Studien immer wieder, dass viele dieser Fonds eine schlechtere Performance aufweisen als breitere Marktindizes. Ein Grund dafür liegt in einem Konzept, das Experten als „Zusätzlichkeit“ (Additionality) bezeichnen. Viele als „grün“ verkaufte Aktienfonds kaufen lediglich Anteile von bereits existierenden, börsennotierten Großunternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien. Dadurch wird jedoch kein einziges neues Windrad gebaut.
Eine echte, messbare Wirkung entfaltet ein Investment erst dann, wenn es Kapital für Projekte bereitstellt, die sonst nicht realisiert worden wären. Hier liegt die Stärke einer Direktbeteiligung an einem neuen Windpark. Wie Branchenexperten betonen, ist dies der Kern der Wirkungsorientierung:
Die wahre Wirkung liegt in der ‚Zusätzlichkeit‘, die eine Direktbeteiligung an einem neuen Windpark schafft – im Gegensatz zu einem Aktienfonds, der lediglich Anteile an bereits existierenden, börsennotierten Unternehmen kauft.
– Experten der Windbranche, Analyse der Performance-Treiber
Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz ist der Windpark Trebitz in Brandenburg, der über eine Anleihe finanziert wurde. Solche Direktbeteiligungen bieten oft eine „doppelte Dividende“: eine finanzielle Rendite für den Anleger und die Gewissheit, dass das eigene Kapital direkt zur Energiewende beiträgt und ein größerer Teil der Wertschöpfung in der Region verbleibt. Bei der Auswahl eines Investments sollten Anleger daher kritisch hinterfragen: Kauft der Fonds nur bestehende Assets oder finanziert er tatsächlich den Neubau und schafft damit Zusätzlichkeit?
Bankkredit oder Schwarmfinanzierung: Was schließt Ihre Finanzierungslücke schneller?
Für Anleger, die die Struktur eines Windpark-Investments tiefer verstehen wollen, ist ein Blick auf die Finanzierungsseite aufschlussreich. Ein Windparkprojekt wird selten zu 100 % aus Eigenkapital der Fondsanleger finanziert. In der Regel wird ein hoher Anteil an Fremdkapital eingesetzt, um einen Hebel (Leverage) auf das Eigenkapital zu erzielen. Die durchschnittliche Tilgungsdauer bei solchen Projekten liegt laut BMWK-Bericht bei etwa 19 Jahren. Dieses Fremdkapital kann aus verschiedenen Quellen stammen.
Der klassische Weg ist ein langfristiger Bankkredit, oft gefördert durch die KfW-Bank. Zunehmend an Bedeutung gewinnen aber auch alternative Finanzierungsformen wie Crowdinvesting oder Nachrangdarlehen, die direkt von Anlegern (also auch von Ihnen) an die Projektgesellschaft vergeben werden. Der entscheidende Unterschied liegt im Insolvenzrang, wie die folgende Tabelle verdeutlicht.
Die unterschiedlichen Finanzierungsformen haben direkte Auswirkungen auf das Risiko und die potenzielle Rendite der Eigenkapitalgeber. Ein hoher Anteil an nachrangigem Kapital kann das Risiko für die Kommanditisten reduzieren, verteuert aber in der Regel die Gesamtkosten und drückt die Rendite.
| Kriterium | Bankkredit/KfW | Crowdinvesting | Nachrangdarlehen |
|---|---|---|---|
| Zinssatz | Niedrig (KfW-gefördert) | Mittel | Höher (4-6%) |
| Hebel auf Eigenkapital | Hoch | Mittel | Niedrig |
| Insolvenzrang | Vorrangig | Nachrangig | Nachrangig |
| Flexibilität | Gering | Mittel | Hoch |
Ein Bankkredit ist vorrangig zu bedienen. Das bedeutet, im Falle einer Insolvenz wird zuerst die Bank aus der Verwertung der Vermögenswerte (also dem Windrad) befriedigt. Das Kapital der Crowdinvestoren oder der Geber von Nachrangdarlehen ist, wie der Name schon sagt, nachrangig. Sie werden erst nach der Bank bedient. Ganz am Ende der Kette stehen Sie als Eigenkapitalgeber (Kommanditist). Ein hoher Fremdkapitalanteil erhöht also Ihren Hebel, aber auch Ihr Totalausfallrisiko.
Das Wichtigste in Kürze
- Haftungsrisiko nicht unterschätzen: Auch bei vertraglichem Ausschluss kann durch gewinnunabhängige Ausschüttungen eine Nachschusspflicht im Insolvenzfall wiederaufleben.
- IRR-Prognosen sind kein Fakt: Die Rendite hängt stark von optimistischen Annahmen zu Betriebskosten und Post-EEG-Erlösen ab. Eine Sensitivitätsanalyse ist Pflicht.
- Illiquidität akzeptieren: Geschlossene Fonds binden Kapital für bis zu 20 Jahre. Ein vorzeitiger Verkauf am Zweitmarkt ist fast immer mit hohen Verlusten verbunden.
Welche grünen Fonds bieten in Deutschland echte Rendite ohne Greenwashing-Risiko?
Nachdem wir die zahlreichen Fallstricke beleuchtet haben, lautet die entscheidende Frage: Wie findet man als Anleger eine solide Beteiligung an der Windenergie, die sowohl eine faire Rendite verspricht als auch einen echten Beitrag leistet? Der Schlüssel liegt in einer rigorosen Due-Diligence-Prüfung, die weit über das Marketing-Material hinausgeht. Der deutsche Markt ist groß; allein im Jahr 2024 wurde laut Angaben der Bundesnetzagentur ein Zuschlagsvolumen von 6.897 MW für Wind an Land vergeben. Das Potenzial ist also vorhanden, aber man muss die Spreu vom Weizen trennen.
Ein qualitativ hochwertiger Fonds zeichnet sich durch Transparenz und eine konservative Planung aus. Das beginnt bei einem realistischen Businessplan für die Zeit nach dem Auslaufen der EEG-Förderung. Gibt es bereits Vorverträge mit Industrieabnehmern (PPAs)? Gibt es eine klare Strategie für das Repowering, also den Ersatz alter Anlagen durch modernere und effizientere? Ein starkes Indiz für Seriosität ist auch der nachgewiesene Track-Record des Fondsmanagements, insbesondere im Umgang mit bereits ausgeförderten Anlagen.
Die folgende Checkliste fasst die wichtigsten Punkte zusammen, die Sie bei der Prüfung eines Angebots beachten sollten, um nicht Opfer von Greenwashing zu werden:
- Konkrete Impact-Ziele prüfen: Suchen Sie im Verkaufsprospekt oder den wesentlichen Anlegerinformationen (WAI) nach messbaren, nicht nur allgemeinen, Nachhaltigkeitszielen.
- Auf deutsche Siegel und Förderungen achten: Wurde der Fonds mit dem FNG-Siegel ausgezeichnet? Erfüllt das Projekt die Kriterien für eine BAFA-Förderung oder die besonderen Konditionen für Bürgerenergiegesellschaften?
- Post-EEG-Phase kritisch hinterfragen: Ist die Strategie für die Zeit nach 20 Jahren vage („Verkauf am Spotmarkt“) oder konkret (z.B. durch PPA-Vorverträge belegt)?
- Repowering-Strategie bewerten: Eine gute Planung für den Weiterbetrieb oder Ersatz der Anlagen nach ihrer technischen Lebensdauer ist ein Zeichen für Weitsicht.
- Track-Record des Managements analysieren: Hat das Management bereits erfolgreich Fonds bis zum Ende der Laufzeit und darüber hinaus geführt? Fordern Sie Leistungsbilanzen früherer Fonds an.
Eine Beteiligung an einem Windfonds kann ein sinnvoller Baustein in einem diversifizierten Portfolio sein. Doch es erfordert die Bereitschaft, sich intensiv mit den Details zu beschäftigen und die richtigen, kritischen Fragen zu stellen.
Bevor Sie eine potenziell sechs- oder siebenstellige Summe für zwei Jahrzehnte binden, ist eine unabhängige, professionelle Prüfung des Emissionsprospekts und des Gesellschaftsvertrags unerlässlich. Nehmen Sie diese Analyse ernst – es ist der beste Weg, um Ihr Vermögen zu schützen und sicherzustellen, dass Ihr Investment nicht nur grün aussieht, sondern auch wirklich nachhaltig wirkt.