
Die Wahl zwischen Tiefenbohrung und Flächenkollektor ist weniger eine Kostenfrage als eine strategische Entscheidung über die Partnerschaft mit Ihrem Grundstück.
- Eine Tiefenbohrung bietet maximale Effizienz und Kühlleistung auf kleinem Raum, birgt aber bei falscher Planung geologische Risiken wie Sondenvereisung.
- Flächenkollektoren sind günstiger und in Eigenleistung realisierbar, benötigen aber viel unversiegelte Fläche und bieten eine geringere Effizienz.
Empfehlung: Analysieren Sie Ihr Grundstückspotenzial (inkl. Wasserschutzauflagen) und Ihre langfristigen Nutzungsziele (Heizen UND Kühlen), bevor Sie die Technik wählen.
Als Bauherr stehen Sie vor einer der wichtigsten Entscheidungen für Ihr zukünftiges Zuhause: die Wahl des Heizsystems. Der Wunsch nach Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und schwankenden Energiepreisen rückt die Erdwärme als konstante und verlässliche Energiequelle in den Fokus. Sofort beginnt die Debatte, die oft auf eine simple Gegenüberstellung reduziert wird: die teure, aber platzsparende Tiefenbohrung gegen den günstigeren, aber flächenintensiven Flächenkollektor. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz und ignoriert den entscheidenden Faktor – den Boden unter Ihren Füßen.
Doch was, wenn wir die Frage falsch stellen? Was, wenn es nicht um „Bohrung ODER Kollektor“ geht, sondern um die richtige Art der geologischen Partnerschaft mit dem Erdreich? Eine Erdwärmeanlage ist keine Maschine, die man kauft und vergisst. Sie ist ein dynamisches System, eine 50-jährige Symbiose mit Ihrem Grundstück. Die Wahl der Technik bestimmt die Regeln dieser Partnerschaft: eine intensive, punktuelle Nutzung der Tiefenwärme oder eine extensive, oberflächennahe Synergie. Es geht um mehr als nur um die Anfangsinvestition; es geht um Betriebssicherheit, langfristige Effizienz und die Fähigkeit, Ihr Haus im Sommer fast kostenlos zu kühlen.
Dieser Leitfaden blickt aus der Perspektive eines Geologen auf Ihr Bauvorhaben. Wir betrachten Ihr Grundstück als das, was es ist: ein einzigartiges System mit Potenzialen und Limitierungen. Wir analysieren die rechtlichen Hürden in Wasserschutzgebieten, berechnen die wahre Amortisationszeit unter Berücksichtigung von Förderungen und Stromersparnis und decken den kritischsten Fehler auf, der die teuerste Bohrung ruinieren kann. Ziel ist es, Ihnen nicht nur eine technische, sondern eine strategische Entscheidungsgrundlage zu geben, damit Ihre Investition über Jahrzehnte hinweg sicher, effizient und nachhaltig arbeitet.
Bevor wir in die Details für Ihr Eigenheim einsteigen, zeigt das folgende Video das enorme Potenzial geothermischer Prinzipien, selbst im großen industriellen Maßstab. Es illustriert die grundlegende Idee, ungenutzte Wärme intelligent zu verschieben und zu speichern – ein Prinzip, das wir auch in Ihrem Garten nutzen werden.
Um die für Sie optimale Entscheidung zu treffen, beleuchten wir in diesem Artikel alle entscheidenden Aspekte. Wir führen Sie schrittweise durch die technischen, rechtlichen und finanziellen Überlegungen, damit Sie die richtige geologische Partnerschaft für Ihr Grundstück eingehen können.
Inhaltsverzeichnis: Die richtige Geothermie-Strategie für Ihr Grundstück
- Warum darf man in manchen Wasserschutzgebieten nicht bohren?
- Wann amortisieren sich die 15.000 € Mehrkosten für die Bohrung durch Stromersparnis?
- Wie kühlen Sie Ihr Haus fast kostenlos über die Erdsonde?
- Der Fehler, dem Boden nur Wärme zu entziehen, bis die Sonde vereist
- Wie verlegen Sie Erdwärme in Eigenleistung viel günstiger als eine Bohrung?
- R290 oder Split-Gerät: Warum sind natürliche Kältemittel zukunftssicherer?
- Holz oder Stein: Welcher Baustoff bietet besseren Hitzeschutz im Klimawandel?
- Funktioniert eine Wärmepumpe in Ihrem ungedämmten Altbau auch ohne Fußbodenheizung effizient?
Warum darf man in manchen Wasserschutzgebieten nicht bohren?
Bevor Sie überhaupt über die technischen Vorzüge einer Tiefenbohrung nachdenken, muss die erste Frage lauten: Darf ich auf meinem Grundstück überhaupt bohren? Die Antwort darauf gibt die Lage Ihres Grundstücks in Bezug auf Wasserschutzgebiete. Diese Zonen dienen dem Schutz unseres wichtigsten Lebensmittels, dem Trinkwasser, vor Verunreinigungen. Eine Erdwärmebohrung durchdringt mehrere Gesteins- und Bodenschichten. Dabei besteht die Gefahr, dass schützende Deckschichten (wie dichte Tonschichten) verletzt werden und so eine Verbindung zwischen der Oberfläche und dem tiefen Grundwasserleiter entsteht. Durch diesen „Kurzschluss“ könnten Schadstoffe direkt ins Grundwasser gelangen.
Aus diesem Grund gilt eine klare rechtliche Regelung: In den kritischen Wasserschutzzonen I bis III/IIIA sind Erdwärmebohrungen in Deutschland grundsätzlich untersagt. Zone I ist der engste Fassungsbereich eines Brunnens und absolut tabu. In den Zonen II und IIIA, der engeren Schutzzone, sind die Auflagen extrem hoch und Bohrungen praktisch ausgeschlossen. Nur in der weitläufigeren Zone IIIB gibt es einen Ermessensspielraum für die zuständige Untere Wasserbehörde, die jeden Fall einzeln prüft. Hier kann eine Genehmigung erteilt werden, wenn durch ein hydrogeologisches Gutachten nachgewiesen wird, dass keine Gefahr für das Grundwasser besteht.
Ihr Plan zur Prüfung der Bohrmöglichkeiten
- Standortprüfung: Nutzen Sie die Online-Karten der Geoportale Ihres Bundeslandes, um zu prüfen, ob Ihr Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt.
- Zonenidentifikation: Ermitteln Sie die genaue Schutzzone (z. B. II, IIIA oder IIIB), in der sich Ihr Grundstück befindet.
- Behördenkontakt: Nehmen Sie frühzeitig Kontakt mit der Unteren Wasserbehörde auf und fragen Sie nach den spezifischen Auflagen für Ihr Gebiet und die Chancen auf eine Einzelfallprüfung.
- Alternativen abwägen: Liegt Ihr Grundstück in einer Verbotszone, evaluieren Sie sofort Alternativen wie Flächen-, Graben- oder Ringgrabenkollektoren, die nicht in tiefe Grundwasserschichten eingreifen.
- Gutachten beauftragen: Falls eine Chance in Zone IIIB besteht, beauftragen Sie einen zertifizierten Hydrogeologen mit der Erstellung des erforderlichen Gutachtens für den Antrag.
Die gute Nachricht ist: Selbst in vielen Wasserschutzgebieten ist Erdwärme nicht vom Tisch. Oberflächennahe Systeme wie Flächen- und Grabenkollektoren sind oft genehmigungsfähig, da sie in einer Tiefe von nur etwa 1,5 Metern verlegt werden und somit weit über den relevanten Grundwasserleitern bleiben. Ihre Eignung ist der erste und wichtigste Punkt auf Ihrer Checkliste.
Erst wenn die rechtliche Zulässigkeit einer Bohrung geklärt ist, rückt die wirtschaftliche Frage in den Mittelpunkt.
Wann amortisieren sich die 15.000 € Mehrkosten für die Bohrung durch Stromersparnis?
Die Entscheidung für eine Tiefenbohrung ist mit erheblichen Mehrkosten verbunden, oft liegen diese rund 15.000 € über denen einer guten Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die entscheidende Frage für jeden Bauherrn ist: Lohnt sich das? Die Antwort liegt in der Jahresarbeitszahl (JAZ). Die JAZ beschreibt das Verhältnis der erzeugten Heizwärme zur dafür eingesetzten elektrischen Energie. Eine JAZ von 4 bedeutet, dass aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme erzeugt werden. Je höher die JAZ, desto geringer Ihre jährlichen Stromkosten.
Hier spielt die Erdsonde ihren entscheidenden Vorteil aus: Sie arbeitet mit einer sehr stabilen Quelltemperatur von 8-12 °C, unabhängig von der Außentemperatur. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe hingegen muss bei eisigen -10 °C viel mehr Arbeit leisten, was ihre Effizienz und damit die JAZ senkt. Dieser Unterschied macht sich direkt auf der Stromrechnung bemerkbar. Die jährliche Ersparnis durch die höhere Effizienz kann, je nach Wärmebedarf und Strompreis, zwischen 445 € und über 900 € liegen.
| Wärmepumpentyp | JAZ-Wert | Stromverbrauch/Jahr (bei 20.000 kWh Wärmebedarf) | Jährliche Stromkosten (bei 0,35 €/kWh) |
|---|---|---|---|
| Erdwärmesonde | 4,5-5,0 | 4.000-4.444 kWh | 1.400-1.556 € |
| Luft-Wasser-WP | 3,0-3,5 | 5.714-6.667 kWh | 2.000-2.333 € |
| Jährliche Ersparnis | – | 1.270-2.667 kWh | 445-933 € |
Eine reine Amortisationsrechnung auf Basis der Stromersparnis greift jedoch zu kurz. Der entscheidende Faktor im aktuellen Umfeld ist die staatliche Förderung. Die aktuelle BAFA-Förderung kann die Investitionskosten um bis zu 70% reduzieren, wenn Sie eine alte fossile Heizung ersetzen. Dieser gewaltige Zuschuss verkürzt die Amortisationszeit drastisch von über 20 Jahren auf oft unter 10 Jahre. Hinzu kommt der unschätzbare Vorteil der passiven Kühlung im Sommer – ein Komfortgewinn, der die Wirtschaftlichkeit weiter verbessert.
Der vielleicht überzeugendste Vorteil einer Erdsonde ist jedoch nicht nur die Effizienz im Winter, sondern ihre Fähigkeit, im Sommer für ein angenehmes Raumklima zu sorgen.
Wie kühlen Sie Ihr Haus fast kostenlos über die Erdsonde?
Während die Effizienz im Winter ein zentrales Argument für Erdwärme ist, liegt der wahre, oft unterschätzte Schatz in der Fähigkeit zur „passiven Kühlung“. Stellen Sie sich vor, Sie könnten an heißen Sommertagen Ihr Haus auf eine angenehme Temperatur bringen, ohne eine laute und stromfressende Klimaanlage zu betreiben. Genau das ermöglicht eine Erdsonde. Das Prinzip ist genial einfach: Statt den Kompressor der Wärmepumpe zu nutzen, wird lediglich eine kleine Umwälzpumpe aktiviert. Diese pumpt das nun wärmere Wasser aus Ihrer Fußboden- oder Wandheizung durch die Erdsonde nach unten.
Dort, in 100 Metern Tiefe, herrscht eine konstante Temperatur von etwa 8-12 °C. Das Erdreich nimmt die überschüssige Wärme aus Ihrem Haus auf wie ein riesiger Schwamm. Das abgekühlte Wasser zirkuliert zurück ins Haus und sorgt für eine sanfte, zugfreie Temperierung der Räume. Der Energieaufwand dafür ist minimal. Eine Studie zeigt, dass die passive Kühlung über Erdwärme nur etwa 5% des Stroms einer konventionellen Klimaanlage verbraucht. Statt 2.000 bis 3.000 Watt für ein Klimagerät benötigen Sie nur 50 bis 150 Watt für die Solepumpe – das ist weniger als eine altmodische Glühbirne.

Dieser Prozess hat einen doppelten Nutzen, der die Genialität des Systems unterstreicht. Sie gewinnen nicht nur an Wohnkomfort, sondern „laden“ Ihr Erdreich für den Winter wieder auf. Die im Sommer eingelagerte Wärme erhöht die Temperatur um die Sonde herum. Das bedeutet, dass die Wärmepumpe im folgenden Winter von einem höheren Temperaturniveau starten kann, was die Jahresarbeitszahl (JAZ) weiter verbessert. Ihr Boden wird so zur thermischen Batterie: im Sommer wird sie mit Abwärme geladen, im Winter liefert sie diese Energie zurück. Dieser Kreislauf ist der Schlüssel zu maximaler Effizienz und Nachhaltigkeit.
Doch dieser perfekte Kreislauf funktioniert nur, wenn die Anlage von Anfang an richtig dimensioniert ist und ein entscheidender Fehler vermieden wird.
Der Fehler, dem Boden nur Wärme zu entziehen, bis die Sonde vereist
Die größte Stärke der Erdwärme – ihre Konstanz – kann sich bei falscher Planung in ihre größte Schwäche verwandeln. Der häufigste und teuerste Fehler ist eine unterdimensionierte Erdsonde. Das passiert, wenn einem Grundstück über Jahre hinweg mehr Wärme entzogen wird, als es auf natürliche Weise oder durch passive Kühlung regenerieren kann. Die Folge ist ein schleichender Prozess: Die Temperatur der Sole (das Wasser-Frostschutz-Gemisch in der Sonde) sinkt Jahr für Jahr. Fällt die Soletemperatur dauerhaft unter 0 °C, beginnt das Erdreich um die Sonde herum zu vereisen. Dieser Eispanzer wirkt wie eine Isolierschicht und behindert den Wärmeübergang vom Boden zur Sonde drastisch.
Die Wärmepumpe muss nun immer härter arbeiten, um die benötigte Heizleistung zu erbringen. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) bricht ein, der Stromverbrauch explodiert, und im schlimmsten Fall kann die Anlage die geforderte Vorlauftemperatur nicht mehr erreichen. Die Sanierung einer vereisten Sonde ist extrem aufwendig und kostspielig. Die Garantie für eine nachhaltige Funktion liegt in der korrekten Auslegung von Anfang an. Wie eine anerkannte Fachregel bestätigt, ist Professionalität hier nicht verhandelbar. Eine führende Richtlinie für die Planung solcher Anlagen betont:
Die korrekte Dimensionierung nach VDI 4640 ist der Schlüssel für eine nachhaltige Planung und muss vom Bohrunternehmen garantiert werden.
– VDI-Richtlinie 4640, Technische Regel für Erdwärmenutzung
Um eine Unterdimensionierung zu vermeiden, ist bei größeren Anlagen oder unklaren geologischen Verhältnissen ein Thermal Response Test (TRT) der Goldstandard. Dabei wird vor Ort die exakte Wärmeleitfähigkeit des Bodens gemessen. Anstatt sich auf Tabellenwerte zu verlassen, erhält man einen präzisen, grundstücksspezifischen Wert. Die Kosten von etwa 3.000 bis 5.000 € für einen solchen Test sind eine Versicherung gegen ein Vielfaches an Folgekosten durch eine ineffiziente oder ausgefallene Anlage. Ein seriöses Bohrunternehmen wird Sie auf diese Möglichkeit hinweisen und die Sondenlänge niemals nur nach Faustformeln festlegen.
Für Bauherren, denen eine Bohrung zu teuer oder aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist, gibt es eine interessante Alternative, die zudem Sparpotenzial durch Eigenleistung bietet.
Wie verlegen Sie Erdwärme in Eigenleistung viel günstiger als eine Bohrung?
Wenn eine Tiefenbohrung keine Option ist, rücken Flächenkollektoren in den Fokus. Die klassische Variante benötigt eine sehr große, freie Gartenfläche – oft das 1,5- bis 2-fache der zu beheizenden Wohnfläche. Eine moderne und platzsparendere Alternative ist der Grabenkollektor. Hier werden die Rohre nicht flächig, sondern in Schleifen in einem ca. 1,5 Meter tiefen und relativ schmalen Graben verlegt. Der große Vorteil: Ein erheblicher Teil der Arbeiten kann in Eigenleistung erbracht werden, was die Kosten im Vergleich zur Bohrung massiv senkt.
Der größte Kostenblock bei der Installation eines Grabenkollektors sind die Erdarbeiten. Mit einem gemieteten Minibagger können handwerklich geschickte Bauherren den Graben selbst ausheben und nach der Rohrverlegung wieder verfüllen. Allein dadurch lassen sich mehrere tausend Euro sparen. Auch die Verlegung der Rohrleitungen nach einem exakten Plan ist für geübte Heimwerker machbar. Es gibt jedoch klare Grenzen: Der Anschluss an die Wärmepumpe im Haus sowie die abschließende Druckprüfung und Befüllung des Systems sind zwingend von einem zertifizierten Fachbetrieb durchzuführen. Andernfalls riskieren Sie nicht nur den Verlust der Garantie, sondern auch schwere Systemschäden.

Wichtig bei der Planung in Eigenleistung ist die Beachtung entscheidender Regeln: Die Fläche über dem Kollektor darf niemals versiegelt oder überbaut werden, also keine Terrasse, kein Carport und keine dichte Bepflanzung mit tiefwurzelnden Bäumen. Der Kollektor regeneriert sich hauptsächlich durch Regenwasser und Sonneneinstrahlung. Eine Versiegelung würde diesen Prozess unterbinden und, ähnlich wie bei einer unterdimensionierten Sonde, zu einer langfristigen Auskühlung des Bodens führen. Trotz des Sparpotenzials ist eine professionelle Planung des Grabenverlaufs und der Rohrlängen unerlässlich, um eine ausreichende Heizleistung sicherzustellen.
Unabhängig davon, ob Sie sich für eine Sonde oder einen Kollektor entscheiden, die Wahl des Kältemittels in der Wärmepumpe selbst ist eine weitere strategische Entscheidung.
R290 oder Split-Gerät: Warum sind natürliche Kältemittel zukunftssicherer?
Die Diskussion um die Art der Wärmegewinnung – Bohrung oder Kollektor – überschattet oft eine ebenso wichtige technologische Weichenstellung: die Wahl des Kältemittels in der Wärmepumpe. Viele Jahre dominierten synthetische F-Gase den Markt. Aufgrund ihres hohen Treibhauspotenzials werden diese jedoch durch die europäische F-Gas-Verordnung schrittweise verboten (Phase-Out). Eine Investition in eine Wärmepumpe mit einem solchen auslaufenden Kältemittel ist riskant. Im Falle einer Reparatur in 10 oder 15 Jahren könnte das benötigte Kältemittel nicht mehr verfügbar oder extrem teuer sein.
Hier kommt die Langfristigkeit der Erdwärme ins Spiel. Eine Erdsonde hat eine Lebensdauer von 50 bis 100 Jahren. Es ist absurd, eine solch langlebige Wärmequelle mit einer Wärmepumpe zu kombinieren, deren Kältemitteltechnologie in wenigen Jahren veraltet ist. Die zukunftssichere Lösung sind natürliche Kältemittel wie Propan (R290). Propan hat ein vernachlässigbar geringes Treibhauspotenzial und unterliegt keinen absehbaren Verboten. Es ist die nachhaltige Wahl für eine nachhaltige Wärmequelle.
Moderne R290-Wärmepumpen sind als Monoblock-Geräte konzipiert, bei denen der gesamte Kältemittelkreislauf sicher und hermetisch versiegelt in der Außeneinheit stattfindet. Ins Haus führen lediglich Wasserleitungen. Dies eliminiert die Notwendigkeit von Kältemittelleitungen im Gebäude, wie sie bei älteren Split-Geräten üblich waren, und vereinfacht die Installation erheblich. Die thermodynamischen Eigenschaften von R290 harmonieren zudem exzellent mit den stabilen Quelltemperaturen der Erdwärme, was in der Praxis zu herausragenden Jahresarbeitszahlen von bis zu 5,5 führt.
Die Effizienz des Gesamtsystems hängt aber nicht nur von der Wärmequelle, sondern auch vom Gebäude selbst ab.
Holz oder Stein: Welcher Baustoff bietet besseren Hitzeschutz im Klimawandel?
Die Fähigkeit zur passiven Kühlung ist ein entscheidender Vorteil der Erdwärme, doch ihre Wirksamkeit wird maßgeblich von der Bauweise Ihres Hauses beeinflusst. Der Schlüsselbegriff hier ist die thermische Speichermasse. Massive Baustoffe wie Beton, Ziegel oder Kalksandstein können Wärmeenergie speichern und zeitverzögert wieder abgeben. Ein Massivbau wirkt wie ein Puffer: An heißen Tagen nehmen die Wände und Decken die Wärme aus der Raumluft auf und verhindern so ein schnelles Überhitzen. In den kühleren Nachtstunden kann diese gespeicherte Wärme dann über die passive Kühlung der Erdwärme effizient an das Erdreich abgeführt werden.
Fallbeispiel: Synergie von Massivbau und Erdwärme
Ein gut gedämmter Neubau in Massivbauweise nutzt seine hohe thermische Speichermasse optimal aus. Tagsüber, wenn die Sonne auf das Gebäude scheint und die Bewohner Wärme abgeben, nehmen die massiven Bauteile diese Energie auf, und die Raumtemperatur steigt nur langsam an. Nachts, wenn die Außentemperaturen sinken, wird die passive Kühlung aktiviert. Die Fußbodenheizung transportiert die in Wänden und Decken gespeicherte Wärme ab und leitet sie in die Erdsonde. Dieser Prozess kühlt nicht nur das Gebäude für den nächsten Tag, sondern regeneriert gleichzeitig die Wärmequelle für den Winter – ein perfekter, sich selbst verstärkender Kreislauf.
Ein Holzbau hat eine deutlich geringere thermische Speichermasse. Er heizt sich bei Sonneneinstrahlung schneller auf, was einen höheren und direkteren Kühlbedarf zur Folge hat. Die passive Kühlung funktioniert zwar auch hier, muss aber intensiver und länger laufen, um die gleiche Komfortwirkung zu erzielen. Hybridbauweisen, die massive Elemente (z. B. eine Betondecke) mit einer Holzkonstruktion kombinieren, stellen einen guten Kompromiss dar. Für den sommerlichen Hitzeschutz im Klimawandel ist die Kombination aus einem Massivbau und einer Erdwärmeanlage mit passiver Kühlung die effektivste und energieeffizienteste Lösung.
Doch was ist mit Bestandsgebäuden? Funktioniert das Prinzip auch in einem ungedämmten Altbau?
Das Wichtigste in Kürze
- Die Wahl zwischen Bohrung und Kollektor ist eine strategische Entscheidung über die Partnerschaft mit dem Erdreich, nicht nur eine Kostenfrage.
- Passive Kühlung im Sommer ist der unschätzbare Vorteil der Erdsonde: Sie steigert den Wohnkomfort und regeneriert gleichzeitig die Wärmequelle für den Winter.
- Eine korrekte Dimensionierung nach VDI 4640 und ggf. ein Thermal Response Test sind entscheidend, um eine Vereisung der Sonde und den damit verbundenen Effizienzverlust zu vermeiden.
Funktioniert eine Wärmepumpe in Ihrem ungedämmten Altbau auch ohne Fußbodenheizung effizient?
Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, dass Wärmepumpen nur in hochgedämmten Neubauten mit Fußbodenheizung effizient arbeiten. Für Luft-Wasser-Wärmepumpen trifft dies bei sehr tiefen Außentemperaturen teilweise zu. Doch gerade hier zeigt die Erdwärme ihre überlegene Stärke, insbesondere im Altbau. Der entscheidende Faktor ist die benötigte Vorlauftemperatur – also die Temperatur, auf die das Heizungswasser erhitzt werden muss, um die Räume warm zu bekommen. Klassische Heizkörper benötigen oft höhere Vorlauftemperaturen (z.B. 55 °C) als eine Fußbodenheizung (ca. 35 °C).
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe muss bei -15 °C Außentemperatur einen gewaltigen Temperatursprung von 70 °C bewältigen, um 55 °C zu erreichen. Das schafft sie oft nur mit einem elektrischen Heizstab, was die Effizienz stark reduziert. Die Erdsonde hat es hier viel einfacher. Wie eine Analyse von Bosch zeigt, liefern Erdsonden auch bei -15°C Außentemperatur konstant 8-12°C Quelltemperatur. Die Wärmepumpe muss also nur einen Sprung von etwa 45 °C bewältigen. Dieser geringere „Hub“ ermöglicht es ihr, auch die für Heizkörper nötigen Vorlauftemperaturen deutlich effizienter zu erreichen. Die JAZ bleibt stabil hoch, während sie bei der Luft-Wärmepumpe einbricht.

Oft ist es im Altbau gar nicht nötig, das gesamte Heizsystem auszutauschen. Durch den Austausch einzelner, alter Heizkörper gegen moderne Niedertemperatur-Heizkörper (Typ 22 oder 33) kann die erforderliche Vorlauftemperatur oft schon auf unter 50 °C gesenkt werden. In Kombination mit der stabilen Quelltemperatur der Erdsonde lässt sich so auch in einem nur teilweise sanierten Altbau ein hocheffizienter und wirtschaftlicher Betrieb der Wärmepumpe realisieren. Die Erdwärme ist somit nicht nur eine Option für den Neubau, sondern ein robustes Rückgrat für die Wärmewende im Gebäudebestand.
Der nächste logische Schritt für Sie als Bauherr ist eine professionelle und standortspezifische Analyse Ihres Grundstücks. Konsultieren Sie einen zertifizierten Geologen oder ein erfahrenes Bohrunternehmen, um das volle Potenzial Ihrer zukünftigen geologischen Partnerschaft zu erschließen und eine fundierte, langfristig sichere Entscheidung zu treffen.
Häufige Fragen zu Erdwärme und R290
Welche Sicherheitsabstände sind bei R290-Wärmepumpen erforderlich?
Bei R290 Monoblock-Geräten im Außenbereich ist gemäß DIN EN 378 in der Regel ein Schutzbereich von 1 Meter zu Zündquellen (Lichtschächte, Fenster, offene Flammen) einzuhalten. Eine ausreichende Belüftung muss gewährleistet sein.
Ist R290 effizienter in Kombination mit Erdwärme?
Ja, die thermodynamischen Eigenschaften des Kältemittels Propan (R290) harmonieren optimal mit den stabilen und relativ hohen Quelltemperaturen einer Erdsonde von 8-12 °C. Dies führt zu einer sehr hohen Effizienz und Jahresarbeitszahl.
Welche JAZ-Werte sind mit R290 und Erdsonde erreichbar?
In der Praxis werden bei gut geplanten Anlagen, die eine Erdsonde mit einer R290-Wärmepumpe kombinieren, Jahresarbeitszahlen (JAZ) von 4,5 bis 5,5 erreicht. Diese Werte liegen deutlich über dem Durchschnitt vieler anderer Wärmepumpensysteme.