Veröffentlicht am Juni 12, 2024

Die Entscheidung zwischen Batterie- und Wasserstoff-LKW ist keine rein technische Frage, sondern eine strategische Unternehmensentscheidung, die von der Total Cost of Ownership (TCO) und dem wachsenden Druck der Lieferkette bestimmt wird.

  • Batterieelektrische LKW (BEV) dominieren bereits den Markt und weisen in den meisten Szenarien eine günstigere TCO-Bilanz auf, insbesondere unter Berücksichtigung deutscher Fördermittel.
  • E-Fuels stellen aufgrund extrem hoher Kosten und geringer Energieeffizienz keine wirtschaftlich sinnvolle Alternative für Bestandsflotten dar.
  • Die CO₂-Strategie Ihres Fuhrparks wird zum entscheidenden Faktor für die Auftragsvergabe durch Großkunden, die ihre Scope-3-Emissionen senken müssen.

Empfehlung: Führen Sie eine detaillierte TCO-Analyse für Ihre spezifischen Routen durch und planen Sie die Beantragung von Fördermitteln strategisch, um die Weichen für einen profitablen und zukunftssicheren Fuhrpark zu stellen.

Als Flottenmanager oder Logistikunternehmer stehen Sie vor einer der weitreichendsten Entscheidungen der letzten Jahrzehnte: Setzen Sie auf batterieelektrische LKW oder warten Sie auf den Durchbruch des Wasserstoffs? Die Debatte wird oft auf einfache Gegenüberstellungen von Reichweite und Tankzeit reduziert. Man hört, Batterien seien nur für den Verteilerverkehr geeignet, während Wasserstoff die Lösung für die Langstrecke sei. Doch diese Sichtweise greift zu kurz und ignoriert die betriebswirtschaftliche Realität.

Die wahre Herausforderung liegt nicht in der Wahl zwischen zwei Steckern oder Zapfpistolen. Sie liegt in der ganzheitlichen Betrachtung der Wertschöpfungskette. Dazu gehören die CO₂-Last bei der Herstellung, die explodierenden Kosten für ineffiziente Alternativen wie E-Fuels und vor allem der wachsende Druck von Großkunden, die von ihren Zulieferern eine lückenlose CO₂-Bilanz verlangen. Die Umstellung Ihres Fuhrparks ist keine reine Fahrzeugbeschaffung mehr, sondern eine strategische Transformation Ihres Geschäftsmodells.

Dieser Artikel verlässt bewusst die ausgetretenen Pfade des reinen Technologievergleichs. Stattdessen liefert er Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage, die auf den Faktoren basiert, die für Sie wirklich zählen: Gesamtkosten (TCO), Fördermittel-Timing und die Sicherung Ihrer Kundenbeziehungen. Wir analysieren, warum die oft als Hindernis dargestellte Ladeinfrastruktur schneller Realität wird als gedacht und weshalb die Konzentration auf die reinen Anschaffungskosten ein teurer Fehler sein kann.

Dieser Leitfaden ist Ihr strategischer Berater für die Dekarbonisierung. Er zeigt Ihnen, wie Sie die Weichen richtig stellen, um nicht nur nachhaltiger, sondern vor allem wirtschaftlich erfolgreicher zu agieren. Die Technologieentscheidung ist dabei nur der erste Schritt.

Der folgende Artikel führt Sie durch die entscheidenden strategischen Überlegungen, die über den reinen Technikvergleich hinausgehen. Entdecken Sie, welche Faktoren Ihre Entscheidung für die Zukunft Ihres Fuhrparks wirklich bestimmen sollten.

Warum scheitern E-LKW oft noch an der Ladeinfrastruktur an Autobahnraststätten?

Das häufigste Argument gegen batterieelektrische LKW auf der Langstrecke ist die vermeintlich fehlende Ladeinfrastruktur. Viele Flottenmanager befürchten, dass ihre Fahrzeuge während der gesetzlich vorgeschriebenen Lenkzeitpausen nicht schnell genug geladen werden können. Dieses Problem wird oft als unüberwindbares Hindernis dargestellt, doch die Realität an deutschen Autobahnen verändert sich bereits rasant. Das „Scheitern“ ist weniger ein technisches als vielmehr ein temporäres Problem, dessen Lösung bereits im Gange ist.

Der Schlüssel zur Lösung heißt Megawatt Charging System (MCS). Dieser neue Standard hebt das Laden von E-LKW auf ein völlig neues Niveau. Während herkömmliche CCS-Lader bei etwa 400 kW an ihre Grenzen stoßen, ermöglicht MCS Ladeleistungen, die weit darüber hinausgehen. Ein Pilotprojekt zeigt bereits, was technisch möglich ist. So demonstriert das HoLa-Projekt eine Ladeleistung von 1,2 Megawatt, was die Ladezeit drastisch verkürzt.

Ein konkretes Beispiel hierfür ist die Inbetriebnahme des ersten öffentlichen Megawatt-Ladepunkts in Deutschland am Rastplatz Lipperland Süd an der A2. Dort können E-LKW in nur 30 bis 45 Minuten – also exakt innerhalb einer gesetzlichen Lenkzeitpause – genug Energie für mehrere hundert Kilometer Reichweite aufnehmen. Die theoretische Ladeleistung des MCS-Standards liegt sogar bei bis zu 3,75 Megawatt. Diese Entwicklung zeigt, dass das Henne-Ei-Problem der Ladeinfrastruktur aktiv gelöst wird. Für Flottenmanager bedeutet dies, dass die Planung von Langstreckenrouten mit E-LKW in naher Zukunft betriebswirtschaftlich und operativ realisierbar sein wird, was das Risiko einer Investition in die BEV-Technologie deutlich senkt.

Wie realistisch ist der Einsatz von E-Fuels für Bestandsflotten im Jahr 2030?

Auf den ersten Blick wirken E-Fuels wie die ideale Lösung: Man tankt einen synthetischen, CO₂-neutralen Kraftstoff in die bestehende Dieselflotte und erfüllt so die Klimaziele, ohne in neue Fahrzeuge investieren zu müssen. Doch bei einer genaueren betriebswirtschaftlichen Analyse entpuppt sich dieser Weg als ökonomisch unrealistisch und ineffizient. Für einen Flottenmanager, der in TCO rechnet, sind E-Fuels keine tragfähige Zukunftsstrategie.

Das Hauptproblem sind die enormen Kosten. Die Herstellung von E-Fuels ist ein extrem energieintensiver Prozess. Eine Analyse von Transport & Environment prognostiziert, dass eine Tankfüllung mit E-Fuels bis zu 210 Euro kosten könnte. Konkret heißt das: E-Fuels könnten 2030 mehr als 2,80 Euro pro Liter an der Zapfsäule kosten, 50 Prozent mehr als normales Benzin heute, so eine aktuelle T&E-Analyse. Umgerechnet auf die CO₂-Vermeidung bedeutet das, dass die Kosten für E-Fuels bei etwa 1.000 Euro pro Tonne vermiedenem CO₂ im Jahr 2030 liegen. Dies ist ein Vielfaches der Kosten, die durch die direkte Elektrifizierung entstehen.

Hinzu kommt die katastrophale Energieeffizienz. Bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff und anschließend in synthetischen Kraftstoff gehen riesige Mengen an Energie verloren. Am Ende kommen nur etwa 13 % der ursprünglichen Energie am Rad an. Bei einem batterieelektrischen LKW sind es rund 77 %. Diese Ineffizienz schlägt sich direkt in den Betriebskosten nieder.

Die folgende Tabelle verdeutlicht den fundamentalen Unterschied in Effizienz und Emissionen, der E-Fuels für den Straßengüterverkehr disqualifiziert.

Effizienzvergleich verschiedener Antriebe
Antriebsart CO2-Emissionen 2035 (g/km) Energieeffizienz
Batterie-Elektro 13 Hoch
E-Fuels 61 Niedrig (5-7x weniger effizient)
Benzin fossil 210 Referenz

Aus TCO-Perspektive sind E-Fuels somit eine Sackgasse. Die begrenzten und teuren Mengen werden in Sektoren wie der Luft- und Schifffahrt benötigt, wo eine direkte Elektrifizierung kaum möglich ist. Für Ihre LKW-Flotte wäre es eine Wette gegen die Gesetze der Physik und der Ökonomie.

Ammoniak oder Methanol: Was treibt die emissionsfreie Schifffahrt der Zukunft an?

Während sich im Straßengüterverkehr der Fokus auf Batterie und Wasserstoff konzentriert, findet in der Schifffahrt eine parallele, aber fundamental andere Debatte statt. Hier stehen vor allem Ammoniak (NH₃) und Methanol (CH₃OH) als potenzielle CO₂-freie Kraftstoffe der Zukunft im Mittelpunkt. Als Flottenmanager mag dies weit entfernt erscheinen, doch die Entwicklungen in diesem Sektor sind ein wichtiger Indikator für die globale Verfügbarkeit und die Kosten von Wasserstoffderivaten.

Beide Kraftstoffe, Ammoniak und Methanol, können „grün“ hergestellt werden, indem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien als Basis genutzt wird. Ammoniak hat den Vorteil, dass es keinen Kohlenstoff enthält und somit bei der Verbrennung kein CO₂ freisetzt. Allerdings ist es hochgiftig und erfordert immense Sicherheitsvorkehrungen. Methanol ist einfacher zu handhaben, enthält aber Kohlenstoff, der bei der Verbrennung wieder zu CO₂ wird. Um klimaneutral zu sein, muss dieser Kohlenstoff zuvor aus der Atmosphäre entnommen werden (Direct Air Capture), was den Prozess sehr teuer macht.

Die Entscheidung in der Schifffahrt hat direkte Auswirkungen auf die Logistikbranche. Häfen wie der in Hamburg positionieren sich bereits als zukünftige Umschlagplätze für Wasserstoff und seine Derivate. Die dort entstehende Infrastruktur für den Import, die Lagerung und die Verarbeitung von Ammoniak könnte synergistische Effekte für andere Sektoren haben, zum Beispiel durch die Rückgewinnung von Wasserstoff aus Ammoniak für den Einsatz in LKW-Flotten.

Hafenterminal mit Ammoniak-Tanker und Wasserstoff-Infrastruktur in Hamburg

Für Sie als Logistikunternehmer ist diese Entwicklung relevant, weil sie zeigt, wo die globalen Energieströme der Zukunft fließen werden. Die Konkurrenz um grünen Wasserstoff zwischen Schifffahrt, Industrie und Straßengüterverkehr wird die Preise und die Verfügbarkeit maßgeblich beeinflussen. Die Fokussierung der Schifffahrt auf Ammoniak und Methanol unterstreicht zudem, dass es keine „One-size-fits-all“-Lösung gibt und jeder Sektor die für ihn technologisch und wirtschaftlich sinnvollste Option wählen muss. Dies stärkt das Argument, dass im Straßengüterverkehr die direkte Elektrifizierung, wo immer möglich, der effizienteste Pfad ist.

Der Fehler, die CO₂-Last der Batterieproduktion bei der Flottenbilanz zu ignorieren

Ein häufig vorgebrachtes Argument von Wasserstoff-Befürwortern ist der erhebliche CO₂-Fußabdruck, der bei der Herstellung von LKW-Batterien entsteht. Es ist unbestreitbar, dass die Batterieproduktion energieintensiv ist und einen signifikanten Anteil an den Gesamtemissionen eines E-LKW hat. Diesen „CO₂-Rucksack“ bei der Flottenbilanz zu ignorieren, wäre ein Fehler. Ihn jedoch als alleiniges Argument gegen die Batterie zu verwenden, ohne den gesamten Lebenszyklus zu betrachten, ist ebenso irreführend.

Eine seriöse TCO- und CO₂-Analyse muss die Emissionen aus der Fahrzeugherstellung („Cradle-to-Gate“) mit den Emissionen aus dem Betrieb („Well-to-Wheel“) kombinieren. Studien zeigen, dass selbst bei Einrechnung der Batterieproduktion ein batterieelektrischer LKW über seine gesamte Lebensdauer deutlich klimafreundlicher ist als ein Diesel-LKW. Eine Analyse für das Jahr 2030 kommt zu dem Schluss, dass batterieelektrische Lkw im Vergleich zu Diesel-Lkw rund die Hälfte der CO₂-Emissionen einsparen können. Interessanterweise geht dann etwa ein Drittel der verbleibenden Emissionen auf die Fahrzeugherstellung zurück. Der entscheidende Vorteil entsteht also im Betrieb durch den Einsatz von erneuerbarem Strom.

Zudem entwickelt sich der Markt mit einer eindeutigen Dynamik. Während die Debatte noch theoretisch geführt wird, schaffen die Zulassungszahlen Fakten. In den ersten sieben Monaten 2024 wurden europaweit 2.575 E-LKW zugelassen, aber nur 27 Wasserstoff-LKW. Dieser Vorsprung schafft Skaleneffekte in der Produktion und im Service-Netzwerk, was die TCO für BEVs weiter senkt. Gleichzeitig wird die Batterieproduktion durch den Einsatz von Grünstrom und verbesserten Recyclingquoten immer sauberer, wodurch der anfängliche CO₂-Rucksack kontinuierlich kleiner wird.

Für Flottenmanager bedeutet das: Der CO₂-Aufwand der Batterieproduktion ist ein relevanter, aber bereits eingepreister Faktor, der den Gesamtvorteil der Elektrifizierung nicht aufhebt. Sich auf diesen einen Aspekt zu fixieren, während der Markt Fakten schafft, birgt die Gefahr, den Anschluss an die kostengünstigste und bereits verfügbare Dekarbonisierungstechnologie zu verpassen.

Wann sollten Sie Fördermittel für E-Nutzfahrzeuge beantragen, um Fristen nicht zu verpassen?

Die Anschaffungskosten für Elektro-LKW sind unbestreitbar hoch und stellen für viele Unternehmen eine erhebliche Hürde dar. Die gute Nachricht ist, dass die Bundesregierung dies erkannt hat und mit Programmen wie „Klimaschonende Nutzfahrzeuge und Infrastruktur“ (KsNI) massive finanzielle Anreize schafft. Das KsNI-Programm ist ein entscheidender Hebel zur Senkung der TCO. Doch der Erfolg hängt nicht nur davon ab, ob man einen Antrag stellt, sondern vor allem davon, wann und wie gut vorbereitet man es tut.

Die Nachfrage nach den Fördermitteln ist gigantisch. Förderaufrufe sind oft innerhalb von Stunden oder sogar Minuten überzeichnet. Wer hier zu spät kommt, geht leer aus und muss auf die nächste, ungewisse Runde warten. Das strategische Timing ist also alles. Bis Februar 2025 wurden im Rahmen des KsNI-Programms bereits 919 Millionen Euro für 6.607 Fahrzeuge bewilligt, was das immense Volumen und Interesse verdeutlicht. Wer von diesem Kuchen ein Stück abhaben möchte, kann nicht auf den Startschuss warten, sondern muss bereits vorher in den Startblöcken stehen.

Eine reaktive Herangehensweise ist zum Scheitern verurteilt. Erfolgreiche Antragsteller bereiten ihre Unterlagen monatelang im Voraus vor. Dazu gehören eine detaillierte Rentabilitätskalkulation, die die TCO mit und ohne Förderung vergleicht, sowie ein schlüssiges Konzept für die benötigte Ladeinfrastruktur auf dem eigenen Betriebshof. Aufgrund der Haushaltskonsolidierung ist zudem unsicher, wie üppig zukünftige Förderaufrufe ausfallen werden. Schnell zu handeln und gut vorbereitet zu sein, ist daher von entscheidender Bedeutung.

Ihr Plan zur strategischen Förderantragstellung

  1. Frühzeitig informieren: Abonnieren Sie Newsletter des BMDV und der Projektträger, um Förderaufrufe nicht zu verpassen. Diese sind oft innerhalb weniger Stunden ausgeschöpft.
  2. Dossier vorbereiten: Erstellen Sie Ihr Antragsdossier mindestens 6 Monate im Voraus. Es sollte eine detaillierte Rentabilitätskalkulation (TCO) und ein solides Infrastrukturkonzept enthalten.
  3. Komplementäre Programme prüfen: Recherchieren Sie zusätzliche Förderprogramme auf Länderebene (z.B. in Bayern oder Baden-Württemberg), die mit dem KsNI-Programm kombinierbar sind.
  4. Schnell handeln: Seien Sie sich der Unsicherheit über künftige Budgets bewusst. Zögern Sie nicht, bei einem passenden Förderaufruf sofort zu handeln.
  5. Alternative Finanzierungsmodelle erwägen: Prüfen Sie parallel Optionen wie Battery-as-a-Service oder Leasingmodelle mit Rückkaufgarantien, um das Investitionsrisiko weiter zu minimieren.

Warum verlieren Zulieferer ohne CO2-Strategie jetzt ihre Großkunden in der Automobilbranche?

Die Umstellung auf einen emissionsarmen Fuhrpark ist längst nicht mehr nur eine Frage der Kosteneinsparung oder des ökologischen Gewissens. Sie wird zunehmend zu einer existenziellen Notwendigkeit, um im Wettbewerb zu bestehen. Insbesondere für Zulieferer der Automobilindustrie wird eine fehlende CO₂-Strategie zur direkten Gefahr für das eigene Geschäft. Der Grund dafür liegt in einem Begriff, den jeder Flottenmanager verstehen muss: Scope-3-Emissionen.

Große Automobilhersteller und Industriekonzerne stehen unter massivem Druck, ihre eigene Klimabilanz zu verbessern. Diese Bilanz umfasst nicht nur die Emissionen aus der eigenen Produktion (Scope 1) und dem eingekauften Strom (Scope 2), sondern auch alle Emissionen, die in der vor- und nachgelagerten Lieferkette entstehen (Scope 3). Die Transportlogistik, also Ihr Fuhrpark, ist ein wesentlicher Teil dieser Scope-3-Emissionen. Wenn Sie weiterhin mit Diesel-LKW für einen OEM fahren, belasten Sie dessen Klimabilanz.

In der Konsequenz bevorzugen Großkunden bei der Auftragsvergabe immer stärker Logistikpartner, die nachweislich emissionsarm oder -frei transportieren können. Ein dekarbonisierter Fuhrpark ist kein „Nice-to-have“ mehr, sondern wird zum harten Vergabekriterium. Ein Zulieferer, der hier keine Fortschritte vorweisen kann, riskiert, bei der nächsten Ausschreibung nicht mehr berücksichtigt zu werden. Ihre Investition in E-LKW ist also nicht nur eine Investition in niedrigere Betriebskosten, sondern auch eine Investition in die Kundensicherung.

Digitales Dashboard zeigt CO2-Emissionen in der Lieferkette

Dieses digitale Reporting der Lieferketten-Emissionen ist keine Zukunftsmusik, sondern bereits gelebte Praxis. Unternehmen nutzen solche Dashboards, um ihre Logistikpartner zu bewerten und ihre Scope-3-Ziele zu erreichen. Die Botschaft an Sie als Flottenmanager ist klar: Die CO₂-Performance Ihres Fuhrparks ist zu einem entscheidenden Merkmal Ihrer Dienstleistungsqualität geworden. Wer diesen Wandel ignoriert, wird von seinen Auftraggebern links liegen gelassen.

Warum könnte die AEM-Technologie den Durchbruch für kostengünstigen Wasserstoff bringen?

Obwohl die batterieelektrische Mobilität im Schwerlastverkehr derzeit die Nase vorn hat, ist die Entwicklung bei Wasserstoff keineswegs zum Stillstand gekommen. Eine der größten Hürden für grünen Wasserstoff sind die hohen Produktionskosten, die maßgeblich von den Kosten für Elektrolyseure bestimmt werden. Hier könnte eine vielversprechende Technologie namens AEM-Elektrolyse (Anion Exchange Membrane) für einen Paradigmenwechsel sorgen.

Traditionelle Elektrolyseverfahren wie die PEM-Elektrolyse (Proton Exchange Membrane) sind hocheffizient, benötigen aber teure und seltene Edelmetalle wie Iridium und Platin als Katalysatoren. Diese Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen, deren Vorkommen auf wenige Länder konzentriert ist, treibt die Kosten in die Höhe und birgt geopolitische Risiken. Genau hier setzt die AEM-Technologie an. Sie kombiniert die Vorteile verschiedener Verfahren und hat das Potenzial, die Achillesferse der Wasserstoffproduktion zu heilen.

Wie das Fraunhofer ISI hervorhebt, liegt der entscheidende Vorteil der AEM-Technologie in ihrer Materialwahl. Ein Experte des Instituts fasst es so zusammen:

Die AEM-Elektrolyse kommt ohne teure und seltene Metalle wie Iridium aus, was die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen reduziert und die Kosten der Elektrolyseure senkt.

– Fraunhofer ISI, Forschung zu AEM-Technologie

Für Sie als Flottenmanager bedeutet dies, dass die langfristige Kostenprognose für grünen Wasserstoff nicht statisch ist. Während Wasserstoff heute und in naher Zukunft im direkten TCO-Vergleich mit Batteriestrom im LKW unterlegen ist, könnten technologische Durchbrüche wie die AEM-Elektrolyse das Spielfeld in der ferneren Zukunft verändern. Es ist daher klug, diese Entwicklungen im Auge zu behalten. Für die heutige Investitionsentscheidung ist jedoch die bereits verfügbare und wirtschaftlichere Technologie – der batterieelektrische Antrieb – die pragmatischere Wahl. Die AEM-Technologie ist eine vielversprechende Option für die Zukunft, aber noch keine Grundlage für die Flottenplanung im Jahr 2024.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Entscheidung für einen Antrieb ist eine TCO-Entscheidung: Berücksichtigen Sie Anschaffung, Förderung, Energie, Maut und Wartung.
  • Batterieelektrische LKW sind bereits heute in vielen Anwendungsfällen die wirtschaftlichere Option, nicht erst in der Zukunft.
  • Der Druck von Großkunden (Scope-3-Emissionen) macht eine CO₂-Strategie für den Fuhrpark zur Voraussetzung für die Auftragssicherung.

Wie senken Sie die Fuhrparkkosten Ihres Unternehmens durch die Elektrifizierung der Flotte?

Am Ende des Tages zählt für jeden Unternehmer die Bilanz. Die Umstellung auf alternative Antriebe muss sich betriebswirtschaftlich rechnen. Die zentrale Frage lautet also: Wie kann die Elektrifizierung Ihrer Flotte die Gesamtkosten (TCO) senken und Ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern? Die Antwort liegt in der detaillierten Analyse aller Kostenfaktoren – von der Anschaffung über den Betrieb bis zur Wartung.

Während die Anschaffungskosten für E-LKW höher sind, werden sie durch massive staatliche Förderungen (z.B. bis zu 80% über das KsNI-Programm) erheblich abgefedert. Die wahren Einsparungen zeigen sich jedoch im laufenden Betrieb. Die Energiekosten pro Kilometer sind bei Strom signifikant niedriger als bei Diesel, dessen Preis durch die steigende CO₂-Bepreisung weiter zunehmen wird. Hinzu kommen handfeste Vorteile wie die bis Ende 2025 geltende Befreiung von der LKW-Maut für E-LKW und deutlich geringere Wartungskosten, da viele Verschleißteile eines Verbrennungsmotors entfallen. Eine Studie des ifeu-Instituts kommt zu einem beeindruckenden Schluss: Im Jahr 2030 werden 98% der Lkw-Kilometer in Deutschland mit einem E-Antrieb kostengünstiger sein als mit einem Diesel.

Die folgende TCO-Analyse des DIW Berlin fasst die entscheidenden Kostenblöcke für die drei Antriebsarten übersichtlich zusammen und liefert eine klare Entscheidungsgrundlage.

TCO-Analyse für verschiedene Antriebsarten
Kostenfaktor Diesel-LKW Batterie-LKW Wasserstoff-LKW
Anschaffung Niedrig Hoch (-80% KsNI-Förderung möglich) Sehr hoch
Energiekosten/km Mittel (CO2-Preis steigend) Niedrig (besonders mit Smart Charging) Hoch
LKW-Maut Voll Reduziert bis 2025 Reduziert bis 2025
Wartung Hoch Niedrig Mittel

Diese Analyse zeigt: Die Elektrifizierung ist kein kostspieliges Abenteuer, sondern der direkteste Weg zur Senkung Ihrer Fuhrparkkosten. Der Wasserstoff-LKW bleibt aufgrund hoher Anschaffungs- und Energiekosten vorerst eine Nischenlösung. Für den Großteil der logistischen Anwendungen in Deutschland ist der batterieelektrische LKW bereits heute die überlegene Wahl aus TCO-Sicht.

Die Gesamtkostenbetrachtung ist der Schlüssel zu einer profitablen Flottenstrategie. Die Analyse der Fuhrparkkosten zeigt den klaren wirtschaftlichen Vorteil der Elektrifizierung.

Um die Weichen für einen zukunftssicheren und profitablen Fuhrpark zu stellen, ist der nächste logische Schritt eine individuelle Analyse. Bewerten Sie jetzt die Gesamtkosten (TCO) für die Umstellung Ihrer spezifischen Routen und Fahrzeugtypen, um die wirtschaftlichste Entscheidung für Ihr Unternehmen zu treffen.

Geschrieben von Felix Baumgartner, Mobilitätsberater und Verkehrsplaner für kommunale und betriebliche Elektromobilität. Experte für Ladeinfrastruktur, E-Fuhrparkmanagement und multimodale Verkehrskonzepte.