Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Die größten Energieverluste Ihres Hauses lassen sich oft mit gezielten, kostengünstigen Maßnahmen statt einer teuren Komplettsanierung beheben.

  • Fokussieren Sie sich auf die „Amortisations-Turbos“ wie die Dämmung der obersten Geschossdecke und die Kerndämmung.
  • Unterschätzen Sie nicht die Wirkung kleiner Eingriffe wie das Abdichten von Fenstern und Rollladenkästen, die eine hohe Komfort-Dividende bringen.

Recommandation : Beginnen Sie mit einer einfachen Schwachstellenanalyse (z. B. dem Papiertest am Fenster) und priorisieren Sie die Maßnahme mit dem besten Verhältnis aus Kosten, Ersparnis und Komfortgewinn für Ihr Gebäude.

Die jährliche Heizkostenabrechnung sorgt bei vielen Hausbesitzern für Frust. Der Gedanke an eine energetische Sanierung kommt schnell auf, doch die Vorstellung, für 50.000 Euro oder mehr die gesamte Fassade einrüsten und dämmen zu lassen, schreckt ab. Viele glauben, dass nur große, teure Maßnahmen einen echten Unterschied machen. Man spricht über Wärmedämmverbundsysteme (WDVS), neue Dächer und den kompletten Fensteraustausch – Projekte, die nicht nur das Budget, sondern auch die Nerven stark beanspruchen.

Doch was wäre, wenn der Schlüssel zu spürbar niedrigeren Heizkosten und mehr Wohnkomfort nicht im teuren Rundumschlag, sondern in gezielten, chirurgischen Eingriffen liegt? Die Wahrheit ist: Jedes Haus hat individuelle Schwachstellen, durch die ein Großteil der Wärme entweicht. Statt mit der sprichwörtlichen Schrotflinte auf das ganze Haus zu zielen, verfolgen wir den Ansatz einer energetischen Akupunktur: Wir identifizieren die wunden Punkte und setzen genau dort mit hocheffizienten und kostengünstigen Maßnahmen an. Diese „Low-Hanging-Fruits“ amortisieren sich oft in wenigen Jahren und liefern eine sofort spürbare Komfort-Dividende.

Dieser Artikel führt Sie durch die acht effektivsten Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihr Haus spürbar besser zu dämmen – ganz ohne Ihr Budget zu sprengen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie versteckte Energiefresser aufspüren, welche Lösungen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und wie Sie nicht nur im Winter Heizkosten sparen, sondern auch im Sommer für angenehm kühle Räume sorgen.

In den folgenden Abschnitten entdecken Sie praxiserprobte und kosteneffiziente Strategien zur Dämmung Ihres Zuhauses. Der Überblick im Inhaltsverzeichnis hilft Ihnen, direkt zu den für Sie relevantesten Maßnahmen zu navigieren.

Warum ist die Kerndämmung oft an einem Tag erledigt und amortisiert sich in 5 Jahren?

Viele Häuser, die zwischen 1900 und 1980 gebaut wurden, besitzen ein zweischaliges Mauerwerk: eine äußere und eine innere Wand, getrennt durch einen 5 bis 10 cm breiten Luftspalt. Dieser Hohlraum ist ein versteckter Energiefresser, da die Luft darin zirkulieren und kontinuierlich Wärme von innen nach außen transportieren kann. Die Lösung ist hier kein teures Außendämmsystem, sondern eine Einblas- oder Kerndämmung – ein echter Amortisations-Turbo unter den Dämmmaßnahmen.

Der Prozess ist denkbar einfach und minimalinvasiv. Spezialisierte Fachbetriebe bohren kleine, kaum sichtbare Löcher in die Fugen der Außenfassade. Durch diese Öffnungen wird Dämmmaterial wie Mineralwollflocken, Zellulose oder EPS-Granulat in den Hohlraum eingeblasen, bis dieser vollständig gefüllt ist. Die Zirkulation wird gestoppt, und die Dämmwirkung der Wand verbessert sich um ein Vielfaches. Der gesamte Vorgang dauert bei einem typischen Einfamilienhaus oft nur einen einzigen Tag, und das Gerüst wird gar nicht erst benötigt.

Finanziell ist diese Methode extrem attraktiv. Während eine komplette Fassadendämmung schnell 50.000 € übersteigen kann, liegt die Investition für eine Kerndämmung laut aktuellen Marktanalysen bei nur 15 bis 30 Euro pro m². Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus bedeutet das Gesamtkosten von oft unter 5.000 €. Angesichts der hohen Energieeinsparung von bis zu 30 % amortisiert sich die Maßnahme häufig bereits nach fünf bis sieben Jahren. Sie erhalten also eine deutlich verbesserte Dämmleistung zu einem Bruchteil der Kosten und des Aufwands einer herkömmlichen Fassadensanierung.

Wie testen Sie mit einem Blatt Papier, ob Ihre Fensterdichtungen Wärme verlieren?

Bevor Sie über einen teuren Austausch intakter Isolierglasfenster nachdenken, sollten Sie eine oft übersehene Schwachstelle prüfen: die Dichtungen. Über die Jahre werden sie porös, spröde oder plattgedrückt und können ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Das Ergebnis sind unangenehme Zugluft und unnötige Wärmeverluste. Glücklicherweise lässt sich dieses Problem mit einem simplen Trick aufdecken.

Führen Sie den Papiertest durch: Klemmen Sie ein Blatt Papier zwischen Fensterflügel und Rahmen und schließen Sie das Fenster. Versuchen Sie nun, das Papier herauszuziehen. Lässt es sich ohne Widerstand oder nur sehr leicht bewegen, ist die Dichtung an dieser Stelle nicht mehr intakt und schließt nicht mehr bündig ab. Wiederholen Sie diesen Test an mehreren Stellen rund um den Fensterrahmen, um alle undichten Bereiche zu identifizieren. So entlarven Sie einen klassischen versteckten Energiefresser.

Nahaufnahme eines Papiertests zur Überprüfung der Dichtigkeit einer Fensterdichtung

Ist die Dichtung defekt, muss nicht das ganze Fenster ausgetauscht werden. Neue Dichtungen sind als Meterware im Baumarkt erhältlich und können oft mit etwas handwerklichem Geschick selbst eingesetzt werden. Diese kleine Investition von wenigen Euro pro Fenster zahlt eine hohe Komfort-Dividende, indem sie Zugluft sofort stoppt und die Heizkosten spürbar senkt. Studien der Verbraucherzentrale zeigen, dass bei Fenstern mit Isolierverglasung aus den 80er- und 90er-Jahren allein der Dichtungstausch eine Energieeinsparung von bis zu 10 % bringen kann. Bei sehr alten Fenstern mit Einfachverglasung (vor 1978) ist ein kompletter Austausch jedoch meist die wirtschaftlichere Lösung.

Ihre 5-Schritte-Checkliste: Versteckte Energiefresser aufspüren

  1. Fenster- & Türdichtungen prüfen: Führen Sie den Papiertest an allen Fenstern und Außentüren durch. Dokumentieren Sie, welche Dichtungen ausgetauscht werden müssen.
  2. Rollladenkästen inspizieren: Öffnen Sie (sofern möglich) die Revisionsklappen Ihrer Rollladenkästen. Sind sie hohl und ungedämmt? Fühlen Sie bei kaltem Wetter Zugluft?
  3. Kellerdecke begutachten: Ist die Decke Ihres unbeheizten Kellers (Beton, Holzbalken) nackt? Fühlt sich der Boden im Erdgeschoss darüber fußkalt an?
  4. Oberste Geschossdecke kontrollieren: Ist der Dachboden unbeheizt und ungenutzt? Überprüfen Sie, ob auf dem Boden eine durchgehende, ausreichend dicke Dämmschicht liegt.
  5. Heizkörpernischen identifizieren: Klopfen Sie die Wand hinter Ihren Heizkörpern ab. Klingt sie dünner als der Rest der Wand? Das deutet auf eine klassische Wärmebrücke hin.

Styropor oder Mineraldämmplatte: Was kleben Sie an die Kellerdecke gegen kalte Füße?

Kalte Füße im Erdgeschoss sind mehr als nur ein Ärgernis – sie sind ein klares Indiz für erhebliche Wärmeverluste in Richtung des unbeheizten Kellers. Die Dämmung der Kellerdecke ist eine der effektivsten Einzelmaßnahmen, um diesen Verlust zu stoppen, den Wohnkomfort drastisch zu erhöhen und die Heizkosten zu senken. Die Frage ist nur: Welches Material eignet sich am besten für diese Form der energetischen Akupunktur?

Für die meisten Anwendungsfälle stehen zwei Hauptmaterialien zur Wahl:

  • Polystyrol-Hartschaumplatten (EPS/XPS): Besser bekannt als Styropor, sind diese Platten sehr leicht, einfach zu verarbeiten und besonders kostengünstig. Sie bieten eine gute Dämmleistung und sind unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit, was im Keller ein großer Vorteil ist. Sie werden einfach mit einem speziellen Klebemörtel an die Decke geklebt. Ihre Nachteile liegen im Bereich Brandschutz (schwer entflammbar, aber nicht unbrennbar) und bei der Diffusionsoffenheit.
  • Mineralische Dämmplatten (z.B. Kalziumsilikat oder Mineralschaum): Diese Platten sind diffusionsoffen („atmungsaktiv“), was die Gefahr von Feuchtigkeitsstau und Schimmelbildung minimiert. Zudem sind sie nicht brennbar (Baustoffklasse A1) und bieten somit höchste Sicherheit. Ihr Dämmwert ist vergleichbar mit dem von Polystyrol, allerdings sind sie in der Regel teurer und schwerer, was die Montage etwas aufwändiger macht.

Die Wahl hängt von Ihren Prioritäten ab. Geht es rein um das beste Preis-Leistungs-Verhältnis und die einfachste Montage, ist Polystyrol oft die erste Wahl. Legen Sie jedoch Wert auf maximalen Brandschutz und eine feuchteregulierende Wirkung, sind Mineraldämmplatten die überlegene, wenn auch teurere Lösung. Unabhängig von der Materialwahl ist diese Maßnahme eine lohnende Investition. Erfreulicherweise wird sie auch staatlich gefördert: Im Rahmen von Einzelmaßnahmen zur energetischen Sanierung kann über die BAFA eine Förderung von bis zu 20 % der förderfähigen Kosten beantragt werden, wenn ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) vorliegt.

Der Fehler, Wärmebrücken im Sommer zu suchen – wann ist die Zeit für Infrarotbilder?

Wärmebrücken sind die Adern der Energieverschwendung in einem Haus. Es sind Bereiche in der Gebäudehülle, an denen Wärme schneller nach außen entweicht als durch die umgebenden Bauteile. Typische Beispiele sind ungedämmte Balkonanschlüsse, Fensterecken, Heizkörpernischen oder eben Rollladenkästen. Der größte Fehler bei der Jagd auf diese Energielecks ist jedoch, sie zur falschen Zeit zu suchen. Eine Thermografieaufnahme im Sommer ist wertlos.

Das Prinzip einer Wärmebildkamera (Infrarotkamera) basiert auf der Visualisierung von Temperaturunterschieden. Sie zeigt nur dann aussagekräftige Ergebnisse, wenn eine deutliche Temperaturdifferenz zwischen der warmen Innenluft und der kalten Außenluft besteht. Experten empfehlen eine Differenz von mindestens 10 °C, besser noch 15 °C. Daher ist die kalte Jahreszeit die einzig sinnvolle Periode für eine professionelle Thermografie.

Der ideale Zeitpunkt für die Suche nach Wärmebrücken gliedert sich wie folgt:

  • Oktober bis November: Die ersten kühlen Nächte bieten eine gute Gelegenheit für einen ersten Selbst-Check mit einer einfachen, günstigen Wärmebildkamera für das Smartphone. Hier lassen sich bereits grobe Schwachstellen erkennen.
  • Dezember bis Januar: Dies ist die Kernsaison für professionelle Thermografie-Gutachten. Die Temperaturen sind stabil niedrig, die Heizung läuft konstant, und die Ergebnisse sind am präzisesten.
  • Februar bis März: Die letzte Chance für verlässliche Messungen, bevor die steigenden Außentemperaturen im Frühjahr die Temperaturdifferenz zu stark verringern.

Je nach Baujahr des Hauses sind bestimmte Wärmebrücken besonders typisch. Bei Gebäuden der 60er und 70er Jahre sind es oft auskragende Betonbalkone, die ohne thermische Trennung mit der Geschossdecke verbunden sind. In den 80er und 90er Jahren rückten die ungedämmten Rollladenkästen in den Fokus. Bei neueren Gebäuden entstehen Wärmebrücken meist nur noch durch Fehler bei der Montage, zum Beispiel an Fensteranschlüssen.

Wann wird der ungedämmte Rollladenkasten zur Schimmelfalle im renovierten Zimmer?

Ein frisch renoviertes Zimmer mit neuen, dichten Fenstern und vielleicht sogar einer Innendämmung – doch plötzlich bildet sich Schimmel an der Wand über dem Fenster. Der Schuldige ist oft ein übersehener, versteckter Energiefresser: der ungedämmte Rollladenkasten. Er wird zur kalten Brücke in einer ansonsten warmen und dichten Gebäudehülle und schafft damit ideale Bedingungen für Schimmelwachstum.

Das physikalische Prinzip dahinter ist die Verlagerung des Taupunkts. Warme, feuchte Raumluft kühlt an der inneren Oberfläche des kalten Rollladenkastens schlagartig ab. Die relative Luftfeuchtigkeit steigt an dieser Stelle auf 100 %, und das Wasser kondensiert – die Oberfläche wird feucht. In Kombination mit organischem Material wie Tapeten oder Staub entsteht der perfekte Nährboden für Schimmelpilze. Dieses Problem tritt paradoxerweise oft erst nach einer Sanierung auf, da die neuen, dichten Fenster den unkontrollierten Luftaustausch (und damit den Abtransport von Feuchtigkeit) reduzieren und die Kältebrücke des Rollladenkastens dadurch noch stärker ins Gewicht fällt.

Grafischer Querschnitt, der die Verschiebung des Taupunkts an einem ungedämmten Rollladenkasten und die daraus resultierende Schimmelgefahr zeigt

Die gute Nachricht: Die Nachdämmung von Rollladenkästen ist eine sehr effektive und verhältnismäßig günstige Maßnahme. Im Fachhandel gibt es spezielle, flexible Dämmmatten oder -platten, die passgenau in den Kasten eingelegt werden können. Wichtig ist, dass der Kasten nach der Dämmung immer noch luftdicht zur Raumseite hin abgeschlossen wird. Die Investition für eine professionelle Dämmung liegt oft nur bei 30-60 Euro pro Kasten und verhindert nicht nur teure Schimmelschäden, sondern senkt auch die Heizkosten und eliminiert unangenehme Zugluft. Es ist eine kleine Maßnahme mit großer Wirkung auf Gesundheit und Geldbeutel.

Warum ist die Dämmung der obersten Geschossdecke oft der „Quick Win“ der Sanierung?

Wenn es eine einzelne Maßnahme gibt, die als der unangefochtene Champion des Preis-Leistungs-Verhältnisses in der energetischen Sanierung gelten kann, dann ist es die Dämmung der obersten Geschossdecke. Da warme Luft physikalisch bedingt immer nach oben steigt, geht in ungedämmten oder schlecht gedämmten Häusern ein Großteil der teuer erzeugten Heizwärme durch den Dachboden verloren. Diesen Weg zu blockieren ist der schnellste und günstigste Hebel zur Senkung Ihrer Heizkosten.

Die Maßnahme ist besonders einfach und kostengünstig, wenn der Dachboden nicht als Wohnraum genutzt wird und unbeheizt bleibt. In diesem Fall muss nicht das komplexe Schrägdach gedämmt werden, sondern lediglich der flache Boden des Dachbodens. Dies kann auf verschiedene Weisen geschehen: durch das Auslegen von Dämmmatten (z. B. aus Mineralwolle), das Aufschütten von losem Dämmstoff oder das Verlegen von begehbaren Dämmplatten, falls der Dachboden als Stauraum dienen soll. Viele dieser Arbeiten können geübte Heimwerker sogar selbst durchführen.

Die finanzielle Bilanz ist beeindruckend. Während eine komplette Dachsanierung schnell 20.000 € und mehr kostet, ist die Dämmung der obersten Geschossdecke oft für 2.000 bis 4.000 € zu realisieren. Die Heizkostenersparnis kann je nach Zustand des Hauses bei bis zu 25 % liegen. Das führt dazu, dass sich die Investition bereits nach 4 bis 5 Jahren amortisiert – ein echter Amortisations-Turbo. Darüber hinaus ist diese Maßnahme nicht nur eine Empfehlung, sondern oft auch eine Pflicht: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt die Dämmung zugänglicher oberster Geschossdecken zu unbeheizten Dachräumen bei den meisten älteren Gebäuden vor.

Praxisbeispiel: Wertsteigerung durch Deckendämmung

Ein typisches Einfamilienhaus aus dem Jahr 1975 konnte durch die alleinige Dämmung der obersten Geschossdecke seine Energieeffizienzklasse im Energieausweis von F auf D verbessern. Diese Aufwertung führte nicht nur zu einer deutlichen Senkung der Energiekosten, sondern steigerte auch den Immobilienwert um nachweislich 5-7 % und erfüllte gleichzeitig die gesetzliche Dämmpflicht nach GEG.

Warum brennt Polystyrol wirklich und wie verhindern Brandriegel die Katastrophe?

Die Diskussion um die Dämmung mit Polystyrol (EPS), umgangssprachlich Styropor, wird oft von einer großen Sorge dominiert: der Brandgefahr. Bilder von brennenden Fassaden haben sich bei vielen Hausbesitzern eingebrannt und führen zu Verunsicherung. Es ist wichtig, hier Fakten von Mythen zu trennen und zu verstehen, wie moderne Systeme das Risiko minimieren.

Polystyrol ist von Natur aus ein brennbares Material. Jedoch ist das Dämm-EPS, das heute in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) verwendet wird, mit Flammschutzmitteln behandelt und wird als „schwer entflammbar“ (Baustoffklasse B1) klassifiziert. Das bedeutet, es brennt nicht von selbst weiter, wenn die Zündquelle entfernt wird. Das eigentliche Risiko bei einem Fassadenbrand ist nicht das kurzzeitige Brennen des Materials selbst, sondern die schnelle Ausbreitung des Feuers über die gesamte Fassade nach oben, der sogenannte Kamineffekt.

Genau hier setzen moderne Sicherheitsvorschriften an. Um diese Brandausbreitung zu verhindern, ist der Einbau von Brandriegeln bei Gebäuden ab einer Höhe von 7 Metern zwingend vorgeschrieben. Dabei handelt es sich um umlaufende Streifen aus nicht brennbarer Mineralwolle (Baustoffklasse A1), die in regelmäßigen Abständen (in der Regel über jedem zweiten Stockwerk) in die Polystyrol-Dämmung integriert werden. Im Brandfall schmilzt das Polystyrol in diesem Bereich zwar weg, aber der Mineralwoll-Riegel bleibt stehen und blockiert den Flammen den Weg nach oben. Er wirkt wie eine Brandschneise in der Fassade.

Die Feuerwiderstandsklassen der verschiedenen Dämmstoffe müssen beachtet werden: A1 ’nicht brennbar‘ für Mineralwolle, B1 ’schwer entflammbar‘ für behandeltes Polystyrol.

– Bundesverband für angewandte Thermografie, VATH-Richtlinie zur Brandschutzklassifizierung

Ein fachmännisch installiertes WDVS mit zugelassenem B1-Material und korrekt platzierten Brandriegeln stellt daher ein sehr geringes Brandrisiko dar. Wer dennoch absolute Sicherheit wünscht, kann für die gesamte Fassade auf Mineralwolle-Dämmplatten ausweichen. Diese sind von Natur aus nicht brennbar (A1), allerdings auch teurer und schwerer zu verarbeiten als Polystyrol.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gezielte, kleine Dämm-Maßnahmen sind oft wirtschaftlicher als eine teure Komplettsanierung der Fassade.
  • Die Dämmung der obersten Geschossdecke und die Kerndämmung bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis und die schnellste Amortisation.
  • Die Wahl des Dämmstoffs (z.B. Holzfaser statt Polystyrol) hat einen massiven Einfluss auf den Hitzeschutz im Sommer.

Wie verbessern Sie den sommerlichen Wärmeschutz im Dachgeschoss ohne Klimaanlage?

Eine gute Dämmung soll nicht nur im Winter die Wärme im Haus halten, sondern im Sommer auch die Hitze draußen lassen. Besonders im Dachgeschoss wird dies zur entscheidenden Komfortfrage. Wer hier nur auf den winterlichen Wärmeschutz (den U-Wert) achtet, erlebt im Juli und August oft eine böse Überraschung, wenn sich die Räume unerträglich aufheizen. Der Schlüssel zum kühlen Kopf an heißen Tagen liegt in einer oft vernachlässigten Materialeigenschaft: der Phasenverschiebung.

Die Phasenverschiebung beschreibt die Zeit in Stunden, die eine Hitzewelle benötigt, um von der Außenseite der Dämmung bis zur Innenseite des Raumes durchzudringen. Leichte Dämmstoffe wie Polystyrol oder Mineralwolle haben eine geringe Rohdichte und damit eine kurze Phasenverschiebung von nur 3 bis 6 Stunden. Die Mittagshitze vom Dach trifft also bereits am späten Nachmittag mit voller Wucht im Raum ein. Schwere Dämmstoffe wie Holzfaser oder Zellulose haben eine hohe Rohdichte und können Wärme viel besser speichern. Ihre Phasenverschiebung liegt bei 10 bis 12 Stunden oder mehr. Die Mittagshitze erreicht die Rauminnenseite somit erst spät in der Nacht, wenn die Außenluft bereits abgekühlt ist und durch Lüften ein Temperaturausgleich stattfinden kann. Sie schaffen einen natürlichen Hitzeschild-Effekt.

Die folgende Tabelle vergleicht die Eigenschaften gängiger Dämmstoffe im Hinblick auf den sommerlichen Wärmeschutz. Wie eine vergleichende Analyse der Materialeigenschaften zeigt, ist eine hohe Rohdichte der entscheidende Faktor.

Vergleich der Phasenverschiebung verschiedener Dämmstoffe
Dämmstoff Phasenverschiebung Rohdichte Sommerlicher Wärmeschutz
Mineralwolle 3-4 Stunden 15-100 kg/m³ Gering
Polystyrol 4-6 Stunden 15-30 kg/m³ Gering
Holzfaser 10-12 Stunden 130-270 kg/m³ Sehr gut
Zellulose 10-12 Stunden 30-80 kg/m³ Sehr gut

Wenn Sie also eine Dachdämmung planen, investieren Sie nicht nur in einen niedrigen U-Wert für den Winter, sondern auch in eine hohe Phasenverschiebung für den Sommer. Die Mehrkosten für einen ökologischen Dämmstoff wie Holzfaser zahlen sich durch den enormen Gewinn an Lebensqualität und den Verzicht auf eine stromfressende Klimaanlage über viele Jahre aus. Es ist die ultimative 2-in-1-Lösung für ganzjährigen Wohnkomfort.

Nachdem Sie die effektivsten und kostengünstigsten Hebel zur Verbesserung Ihrer Gebäudehülle kennen, besteht der nächste logische Schritt darin, diese Maßnahmen für Ihr eigenes Haus zu bewerten und eine Prioritätenliste zu erstellen. Beginnen Sie noch heute damit, die Schwachstellen zu identifizieren und die für Sie passende Sanierungsstrategie zu planen.

Häufige Fragen zur Dämmung mit kleinem Budget

Ab welcher Gebäudehöhe sind Brandriegel Pflicht?

Bei Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) mit Polystyrol sind Brandriegel ab einer Gebäudehöhe von 7 Metern, was der Gebäudeklasse 3 entspricht, gesetzlich vorgeschrieben. Sie dienen dazu, die Ausbreitung eines Feuers über die Fassade zu verhindern.

Was unterscheidet professionelles WDVS von unsachgemäßem Einbau?

Professionelle Systeme verwenden ausschließlich schwerentflammbares B1-Material, das eine bauaufsichtliche Zulassung besitzt. Zudem werden die systemzugehörigen Komponenten wie die vorgeschriebenen Brandriegel fachgerecht verbaut, um maximale Sicherheit zu gewährleisten.

Welche Alternative gibt es für brandschutzkritische Bereiche?

Für Bereiche mit erhöhten Brandschutzanforderungen oder wenn ein nicht brennbares Material gewünscht ist, stellt Mineralwolle-Dämmung die sicherste Alternative dar. Sie ist in die höchste Baustoffklasse A1 („nicht brennbar“) eingestuft.

Geschrieben von Sabine Müller-Kröger, Architektin und zertifizierte Energieberaterin (DENA) mit Schwerpunkt auf energetischer Sanierung von Bestandsgebäuden. Expertin für Bauphysik, Dämmstoffe und staatliche Förderprogramme (BAFA/KfW).