Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Viele als „nachhaltig“ beworbene ESG-Fonds sind eine Mogelpackung, die Ihr Gewissen beruhigen, aber das Klima durch Investitionen in fossile Konzerne weiter belasten.

  • EU-Regeln wie Artikel 8 und 9 sind keine Garantie für Nachhaltigkeit, sondern oft nur eine schwach kontrollierte Selbstauskunft der Fondsanbieter.
  • Ratings von Agenturen wie MSCI bewerten nicht den positiven Beitrag eines Unternehmens, sondern primär dessen finanzielle Risiken durch ESG-Faktoren.

Empfehlung: Vertrauen Sie keinen Hochglanzprospekten. Analysieren Sie stattdessen die Top-10-Positionen und die harten Ausschlusskriterien eines Fonds, bevor Sie investieren.

Der Wunsch, Geld nicht nur gewinnbringend, sondern auch ethisch und ökologisch sinnvoll anzulegen, treibt immer mehr Anleger in Deutschland um. Banken und Fondsgesellschaften haben diesen Trend erkannt und überschwemmen den Markt mit Produkten, die das Kürzel „ESG“ (Environment, Social, Governance) tragen. Sie versprechen eine saubere Rendite, mit der man nachts gut schlafen kann. Doch die Realität ist oft ernüchternd: Hinter vielen grünen Fassaden verbergen sich weiterhin Investitionen in die größten Klimasünder und kontroverse Industrien.

Die üblichen Ratschläge – achten Sie auf EU-Klassifizierungen wie Artikel 8 oder 9, suchen Sie nach renommierten Ratings – greifen oft zu kurz. Sie sind zu stumpfen Waffen im Kampf gegen ausgeklügeltes Greenwashing geworden. Das Problem ist nicht nur, dass Anleger getäuscht werden; es ist, dass ihr gut gemeintes Kapital möglicherweise genau die destruktiven Geschäftsmodelle weiterfinanziert, die sie eigentlich meiden wollten. Aber was, wenn der Schlüssel zur Lösung nicht darin liegt, den Marketing-Versprechen blind zu vertrauen, sondern darin, die Denkweise eines investigativen Journalisten anzunehmen?

Dieser Artikel gibt Ihnen das Rüstzeug eines Finanz-Ermittlers. Statt Ihnen eine Liste „guter“ Fonds zu präsentieren, zeigen wir Ihnen, wie Sie die Daten selbst interpretieren, die richtigen Fragen stellen und die Strategien hinter den Produkten durchschauen. Wir zerlegen die gängigen Mythen um ESG-Ratings, EU-Regularien und angebliche Top-Performer. Sie lernen, die Spreu vom Weizen zu trennen und Entscheidungen zu treffen, die nicht nur Ihrem Portfolio, sondern auch Ihrem Gewissen gerecht werden.

Um die komplexen Mechanismen hinter ESG-Investments zu verstehen und Greenwashing effektiv zu entlarven, haben wir diesen Leitfaden strukturiert. Er führt Sie schrittweise durch die kritischen Prüfpunkte, von der Analyse der Fonds-Inhalte bis hin zur Bewertung von Rendite-Versprechen.

Warum enthalten viele „nachhaltige“ Fonds immer noch Öl-Multis wie Total oder Shell?

Es ist der wohl größte Schock für viele nachhaltigkeitsorientierte Anleger: Beim Blick in die Top-Positionen ihres vermeintlich „grünen“ Fonds entdecken sie Öl- und Gaskonzerne, Automobilhersteller oder andere Emittenten mit massivem CO2-Fußabdruck. Dies ist kein Versehen, sondern System. Der Grund liegt meist in der sogenannten „Best-in-Class“-Strategie. Statt ganze Branchen wie die fossile Energiewirtschaft kategorisch auszuschließen, investiert der Fonds in die Unternehmen, die innerhalb ihrer (schmutzigen) Branche die besten ESG-Werte aufweisen. Ein Öl-Multi wie TotalEnergies kann also in einem Fonds landen, weil er im Vergleich zu anderen Ölkonzernen eine bessere Governance-Struktur oder marginal niedrigere Emissionen pro gefördertem Barrel hat.

Das Ausmaß ist gravierend. Eine Untersuchung von urgewald und Facing Finance deckte auf, dass europäische ESG-Fonds mit über 38 Milliarden Euro in fossile Unternehmen mit Expansionsprojekten investiert sind. Ein prominentes deutsches Beispiel ist die Deutsche-Bank-Tochter DWS. Obwohl sie ihre Fonds als nachhaltig vermarktet, investierte sie Ende 2023 rund 16,8 Milliarden US-Dollar in klimaschädliche Kohle-, Öl- und Gasunternehmen – ein Vielfaches dessen, was ihre direkten Konkurrenten in diese Sektoren steckten, wie Greenpeace aufdeckte.

Diese Diskrepanz zwischen Marketing und Realität untergräbt das Vertrauen in den gesamten Sektor. Für Anleger bedeutet das: Der Begriff „nachhaltig“ auf einem Fondsprospekt ist wertlos, solange Sie nicht die zugrunde liegende Anlagestrategie und die konkreten Ausschlusskriterien geprüft haben. Ein Fonds, der keine harten Ausschlüsse für fossile Brennstoffe definiert, wird fast zwangsläufig Unternehmen enthalten, die dem Klimaschutz aktiv entgegenwirken.

Wie interpretieren Sie MSCI-Ratings richtig, um nicht in die Irre geführt zu werden?

Ein zentrales Werkzeug, das Fondsmanager und Anleger zur Bewertung der Nachhaltigkeit nutzen, sind die Ratings von Agenturen wie MSCI. Ein Fonds, der sich mit einem hohen Anteil an „AA“- oder „AAA“-bewerteten Unternehmen brüstet, scheint auf den ersten Blick eine sichere Wahl. Doch hier lauert die nächste Falle. Ein hohes MSCI-Rating bedeutet nicht, dass ein Unternehmen gut für die Welt ist. Es bedeutet, dass das Unternehmen gut darin ist, finanzielle Risiken zu managen, die aus Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren entstehen könnten.

Die Perspektive ist also umgekehrt: MSCI analysiert, wie der Klimawandel das Geschäft eines Ölkonzerns bedroht (Risiko), nicht, wie der Ölkonzern den Klimawandel befeuert (Impact). Dies führt zu paradoxen Ergebnissen, bei denen Konzerne mit fragwürdigen Geschäftspraktiken hohe Ratings erhalten, weil sie exzellente Berichte schreiben und Risikomanagement-Prozesse etabliert haben. Kleine, wirklich innovative Öko-Unternehmen fallen hingegen oft durchs Raster, weil sie nicht die Ressourcen für aufwendiges Reporting haben.

Makroaufnahme einer Lupe über abstrakten Bewertungsdiagrammen, die die Komplexität von ESG-Ratings symbolisiert

Für Ihre investigative Analyse müssen Sie also hinter die Gesamtbewertung blicken. Nutzen Sie die frei verfügbaren Tools wie das „MSCI ESG Ratings Corporate Search Tool“ und achten Sie gezielt auf folgende Aspekte:

  • Die Säulen einzeln betrachten: Analysieren Sie nicht nur das Gesamt-Rating (z.B. „A“), sondern die Bewertungen für die einzelnen Säulen E, S und G. Ein Unternehmen kann ein gutes Gesamtergebnis haben, aber im Umweltbereich („E“) katastrophal abschneiden.
  • Die „Kontroversen“-Sektion: Dies ist oft der aufschlussreichste Teil. Hier werden Skandale, Rechtsstreitigkeiten und negative Medienberichte (z.B. über Ölunfälle oder Arbeitsrechtsverletzungen) erfasst. Ein rotes oder oranges Flaggen-Symbol hier ist ein klares Warnsignal.
  • Vergleich mit anderen Anbietern: Kein Rating ist objektiv. Vergleichen Sie die MSCI-Bewertung mit denen von anderen Agenturen wie Sustainalytics oder dem deutschen Anbieter imug rating, um ein vollständigeres Bild zu erhalten.
  • Abdeckungsquote im Fonds prüfen: Wie viele der Unternehmen im Fonds wurden überhaupt von MSCI bewertet? Oft sind es nicht 100 %, was die Aussagekraft des Fonds-Gesamtratings schwächt.

Best-in-Class oder strikter Ausschluss: Welcher Ansatz passt zu Ihrem Gewissen?

Hinter jedem nachhaltigen Fonds steht eine fundamentale strategische Entscheidung: Soll er nach dem Prinzip des strikten Ausschlusses oder nach dem Best-in-Class-Ansatz investieren? Diese Wahl definiert die moralische und ökologische Integrität des gesamten Portfolios und ist für Sie als Anleger die wichtigste Weichenstellung. Es gibt keinen allgemeingültigen „besten“ Weg; die Entscheidung hängt von Ihren persönlichen Werten und Ihrer Risikobereitschaft ab.

Der strikte Ausschluss ist die dogmatischste und transparenteste Methode. Hier werden ganze Branchen oder Praktiken kompromisslos aus dem Anlageuniversum entfernt. Dazu gehören typischerweise Unternehmen, die einen signifikanten Umsatz mit fossilen Brennstoffen, Waffen, Tabak, Glücksspiel oder der Verletzung von Menschenrechten erzielen. Der Vorteil ist die hohe Glaubwürdigkeit und Klarheit. Der Nachteil ist ein potenziell kleineres Anlageuniversum und damit eine geringere Diversifikation. Der Best-in-Class-Ansatz, wie zuvor beschrieben, schließt keine Branche aus, sondern wählt die relativ „besseren“ Akteure. Er ermöglicht eine breite Marktabdeckung, birgt aber die Gefahr, in kontroverse Unternehmen zu investieren. Eine dritte, zunehmend populäre Strategie ist das Impact Investing, das gezielt in Projekte mit messbarer positiver Wirkung investiert (typischerweise Artikel-9-Fonds).

Die folgende Übersicht fasst die Kernunterschiede der wichtigsten Anlagestrategien zusammen, um Ihnen die Einordnung von Fondsprodukten zu erleichtern:

Vergleich der ESG-Anlagestrategien
Strategie Beschreibung Fondsbeispiel Vor-/Nachteile
Strikter Ausschluss Null-Toleranz für fossile Brennstoffe, Waffen, Tabak Ökovision Classic ✓ Hohe Glaubwürdigkeit
✗ Kleineres Anlageuniversum
Best-in-Class Beste ESG-Performer jeder Branche Typische Artikel-8-Fonds ✓ Breite Diversifikation
✗ Kann Öl-Multis enthalten
Impact Investing Messbare positive Wirkung (Art. 9) GLS Bank Klimafonds ✓ Direkte Wirkung
✗ Oft geringere Rendite

Unternehmen mit hohen, mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen vereinbarenden Umsätzen und geringen ESG-Risiken werden grundsätzlich immer attraktiv sein.

– Dirk Söhnholz, Cash.online Interview

Der Fehler, ESG-Regularien der EU als Garantie für Sicherheit zu missverstehen

Mit der Einführung der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) wollte die EU Transparenz schaffen und Greenwashing eindämmen. Die Fonds wurden in Kategorien eingeteilt: Artikel 6 (keine Nachhaltigkeitsziele), Artikel 8 („hellgrün“, bewerben ökologische/soziale Merkmale) und Artikel 9 („dunkelgrün“, streben ein konkretes Nachhaltigkeitsziel an). Für viele Anleger klang das wie ein Gütesiegel. Doch diese Annahme ist ein gefährlicher Trugschluss. Die SFDR ist in erster Linie eine Offenlegungsverordnung, kein Qualitätslabel.

Die Einstufung als Artikel 8 oder 9 basiert größtenteils auf einer Selbstdeklaration der Fondsgesellschaften. Eine unabhängige, staatliche Prüfung der tatsächlichen Portfolio-Inhalte findet kaum statt. Dies öffnet dem Greenwashing Tür und Tor. Ein Fonds kann sich als Artikel 9 klassifizieren, aber dennoch in Unternehmen investieren, deren Nachhaltigkeitsbeitrag fragwürdig ist. Der Skandal um die DWS hat dies eindrücklich bewiesen. Trotz der bestehenden EU-Regularien sah sich die Deutsche-Bank-Tochter dem Vorwurf des Greenwashings ausgesetzt und musste in den USA eine Geldstrafe von 25 Millionen Dollar zahlen, weil sie Fonds nachhaltiger darstellte, als sie waren.

Zudem greifen selbst die neuen, strengeren Leitlinien der Europäischen Marktaufsichtsbehörde (ESMA) zur Fondsbenennung zu kurz. Sie sollen verhindern, dass Fonds irreführende Begriffe wie „grün“ oder „nachhaltig“ im Namen tragen, wenn sie die Kriterien nicht erfüllen. Doch die Reichweite ist begrenzt: Eine Analyse zeigt, dass zwei Drittel (9.420) der knapp 14.300 Artikel-8/9-Fonds nicht erfasst werden von diesen neuen Regeln. Für Anleger bedeutet das: Verlassen Sie sich niemals allein auf die Klassifizierung nach Artikel 8 oder 9. Sie ist ein erster Anhaltspunkt, aber keinesfalls ein Ersatz für die eigene, investigative Prüfung der Fonds-Inhalte und -Strategie.

Wie mischen Sie grüne Anleihen bei, um die Volatilität Ihres Aktien-Portfolios zu senken?

Ein ausgewogenes Portfolio besteht nicht nur aus Aktien. Gerade im volatilen Marktumfeld können Anleihen eine stabilisierende Rolle spielen. Für nachhaltige Anleger bieten sich hier grüne Anleihen (Green Bonds) als sinnvolle Ergänzung an. Im Gegensatz zu einer Aktie, mit der Sie Miteigentümer eines Unternehmens werden, leihen Sie mit einer Anleihe dem Herausgeber (einem Staat oder Unternehmen) Geld für einen festgelegten Zeitraum zu einem festen Zinssatz. Bei Green Bonds ist die Verwendung dieser Gelder zweckgebunden: Sie müssen nachweislich in ökologische Projekte wie den Ausbau erneuerbarer Energien, energieeffiziente Gebäude oder sauberen Transport fließen.

Diese Zweckbindung macht sie transparenter als viele Aktienfonds. Sie bieten in der Regel zwar eine geringere Rendite als Aktien, dafür aber auch ein deutlich niedrigeres Risiko und können Kursschwankungen im Depot abfedern. Besonders attraktiv für deutsche Anleger sind die grünen Bundeswertpapiere, die der Bund seit 2020 ausgibt. Sie sind genauso sicher wie herkömmliche Bundesanleihen, finanzieren aber gezielt Staatsausgaben für den Umwelt- und Klimaschutz.

Doch auch bei Green Bonds ist Vorsicht geboten. Nicht jeder als „grün“ bezeichnete Bond hält, was er verspricht. Als Ermittler sollten Sie folgende Punkte prüfen, bevor Sie in einen Green-Bond-Fonds investieren:

  • EU Green Bond Standard (EU-GBS): Prüfen Sie, ob die Anleihen im Fonds diesem freiwilligen, aber hohen Standard entsprechen. Laut den neuen ESMA-Leitlinien können solche Anleihen immer erworben werden.
  • Second-Party Opinion: Suchen Sie nach einer unabhängigen Bewertung durch Prüfer wie ISS ESG oder Vigeo Eiris. Diese „Second-Party Opinion“ bestätigt die Nachhaltigkeit des Projekts.
  • Use of Proceeds: Analysieren Sie den Emissionsprospekt. Wofür genau wird das Geld verwendet? Sind die Projekte klar definiert und quantifizierbar?
  • Look-Through-Ansatz: Wenn ein Bond nicht dem EU-GBS entspricht, muss das konkret finanzierte Projekt bewertet werden. Ist es wirklich nachhaltig oder nur „weniger schädlich“?
  • Vergleich: Setzen Sie die Konditionen von Unternehmensanleihen (z.B. von EnBW oder Deutsche Bahn) in Relation zu den sicheren grünen Bundeswertpapieren.

Warum performen viele „dunkelgrüne“ Artikel-9-Fonds schlechter als der breite Markt?

Die intuitivste Wahl für streng nachhaltige Anleger sind die „dunkelgrünen“ Artikel-9-Fonds. Sie haben ein explizites Nachhaltigkeitsziel und verfolgen oft eine Impact-Strategie. Die Erwartung ist, dass man hier die reinste Form des ethischen Investierens findet. Doch ein Blick auf die Performance der letzten Jahre zeigt oft ein enttäuschendes Bild: Viele dieser Fonds blieben hinter der Rendite breiter Marktindizes wie dem MSCI World zurück. Dies hat zu einer gewissen Desillusionierung bei Anlegern geführt.

Die Gründe für diese unterdurchschnittliche Performance sind vielschichtig. Einerseits haben die strengen Ausschlusskriterien zur Folge, dass diese Fonds auf die Renditetreiber der letzten Jahre – insbesondere große US-Technologiekonzerne – teilweise verzichten mussten. Andererseits, so erklärt der Experte Dirk Söhnholz, sind „viele dezidiert nachhaltige Unternehmen relativ klein und die Aktien solcher Unternehmen haben in den letzten Jahren auch nicht gut rentiert.“ Das Investment-Universum ist konzentrierter und oft auf Sektoren wie erneuerbare Energien fokussiert, die konjunkturellen Schwankungen stark unterworfen sind. Die Marktdaten bestätigen diesen Trend: Während Artikel-8-Fonds weiterhin Zuflüsse verzeichneten, erlitten Artikel-9-Fonds Abflüsse von 7,13 Milliarden Euro im Jahr 2024, was auf die Unzufriedenheit der Anleger mit der Rendite hindeutet.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Impact Investing per se unrentabel ist. Es bedeutet, dass Anleger sich des Kompromisses zwischen maximaler Wirkung und maximaler Rendite bewusst sein müssen. Ein Artikel-9-Fonds, der in junge, innovative Cleantech-Unternehmen investiert, hat ein anderes Risiko-Rendite-Profil als ein breit diversifizierter ETF. Als kritischer Anleger müssen Sie entscheiden: Bin ich bereit, für eine messbar höhere ökologische Wirkung potenziell eine geringere finanzielle Rendite oder eine höhere Volatilität in Kauf zu nehmen? Langfristig könnten sich diese Investitionen auszahlen, wenn die Transformation zur Green Economy an Fahrt gewinnt, aber kurzfristig erfordern sie Geduld und starke Nerven.

Wann erhalten Sie Zinsrabatte für besonders nachhaltige ESG-Projekte?

Nachhaltiges Handeln wird nicht nur an der Börse, sondern auch im privaten Bereich zunehmend belohnt. Wer sich für eine energieeffiziente Sanierung, den Bau eines Effizienzhauses oder die Installation einer Wärmepumpe entscheidet, profitiert in Deutschland von handfesten finanziellen Vorteilen. Diese kommen in Form von Direktzuschüssen und Zinsrabatten, die die Finanzierungskosten erheblich senken können. Für Anleger, die ihr Geld nicht nur in Fonds, sondern auch in Sachwerte investieren wollen, sind diese Mechanismen von großer Bedeutung.

Die wichtigste Anlaufstelle ist die staatliche Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Ihre Programme, wie „Klimafreundlicher Neubau“ (297/298) oder „Energieeffizient Sanieren“ (261), bieten Kredite, deren Zinssätze deutlich unter dem aktuellen Marktniveau liegen. Der Zinsvorteil kann, je nach erreichtem Effizienzstandard, mehrere Prozentpunkte betragen. Daneben gibt es spezialisierte „grüne“ Banken wie die GLS Bank, die UmweltBank oder die Triodos Bank, die für nachhaltige Bau- oder Sanierungsvorhaben von vornherein günstigere Konditionen anbieten als konventionelle Institute.

Für Unternehmen gibt es zudem sogenannte „Sustainability-Linked Loans“. Bei diesen Krediten ist der Zinssatz an das Erreichen konkreter, vorab definierter Nachhaltigkeitsziele (KPIs) gekoppelt. Erreicht das Unternehmen seine Ziele, sinkt der Zins. Verfehlt es sie, steigt er. Dies ist ein starker Anreiz für Unternehmen, ihre ESG-Bemühungen ernst zu nehmen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige der wichtigsten Förderungen in Deutschland.

KfW-Förderprogramme für nachhaltige Projekte
Programm Fördergegenstand Zinsvorteil Zielgruppe
KfW 261 Energieeffizient Sanieren Bis zu 2% unter Marktzins Hausbesitzer
Wärmepumpen-Zuschuss Installation erneuerbarer Heizung Direktzuschuss bis 40% Eigenheimbesitzer
GLS Bank Ökokredit Nachhaltige Baufinanzierung 0,1-0,3% Zinsvorteil Privatpersonen
Sustainability-Linked Loans ESG-Ziele gebundene Kredite Variabel je nach Zielerreichung Unternehmen

Das Wichtigste in Kürze

  • Verlassen Sie sich nicht auf EU-Klassifizierungen (Artikel 8/9); sie sind oft nur Selbstauskunft und keine Garantie gegen Greenwashing.
  • MSCI-Ratings messen primär das finanzielle Risiko für ein Unternehmen, nicht dessen positiven oder negativen Einfluss auf die Umwelt.
  • Die „Best-in-Class“-Strategie vieler ESG-Fonds erlaubt Investitionen in Branchenführer wie Ölkonzerne, solange sie besser als ihre Konkurrenten sind.

Welche grünen Fonds bieten in Deutschland echte Rendite ohne Greenwashing-Risiko?

Nachdem wir die Fallstricke und Mythen aufgedeckt haben, stellt sich die finale Frage: Wie findet man nun Fonds, die sowohl eine faire Rendite versprechen als auch ein hohes Maß an ethischer und ökologischer Integrität aufweisen? Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie, aber mit einer systematischen, investigativen Vorgehensweise können Sie das Risiko, auf Greenwashing hereinzufallen, drastisch minimieren. Der deutsche Markt für nachhaltige Geldanlagen ist riesig – laut FNG Marktbericht 2024 erreichten nachhaltige Geldanlagen ein Gesamtvolumen von 672,7 Milliarden Euro –, was eine sorgfältige Auswahl umso wichtiger macht.

Vergessen Sie die Marketing-Broschüren und werden Sie selbst zum Analysten. Ein guter Startpunkt sind Fonds, die von unabhängigen und strengen Labels wie dem FNG-Siegel (idealerweise mit zwei oder drei Sternen) zertifiziert sind. Diese Siegel gehen weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus und prüfen Aspekte wie harte Ausschlusskriterien, das Stimmrechtsverhalten und die Nachhaltigkeitsstrategie im Detail. Doch auch hier gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Die folgende Checkliste fasst die entscheidenden Schritte Ihrer eigenen Ermittlung zusammen.

Ihre Checkliste: Echte Nachhaltigkeit in 4 Schritten prüfen

  1. Portfolio-Analyse: Überprüfen Sie die Top-10-Positionen des Fonds. Nutzen Sie das MSCI ESG Ratings Tool, um diese Unternehmen gezielt auf die „Kontroversen“-Sektion (rote Flaggen) zu scannen.
  2. Strategie-Check: Lesen Sie das Fondsprospekt und identifizieren Sie die Anlagestrategie. Handelt es sich um einen strikten Ausschluss-Ansatz oder um Best-in-Class? Prüfen Sie die definierten Mindestquoten, z.B. dass mindestens 80 Prozent der Investitionen im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen stehen müssen.
  3. Label-Validierung: Achten Sie auf anspruchsvolle Gütesiegel wie das FNG-Siegel. Laut den Kriterien werden „je höher die Nachhaltigkeitsqualität, umso mehr Sterne zusätzlich vergeben (1 bis 3 Sterne sind möglich)“. Ein Siegel allein reicht aber nicht; es ist nur ein erster Filter.
  4. Engagement-Prüfung: Wie nutzt der Fondsmanager sein Stimmrecht auf den Hauptversammlungen? Stimmt er für mehr Klimaschutz oder stützt er das Management kontroverser Konzerne? Berichte von Organisationen wie „Facing Finance“ oder „ShareAction“ geben hierüber Aufschluss.

Diese investigative Methode ist der Kern einer souveränen Anlageentscheidung. Um sie zu meistern, ist es hilfreich, sich die fundamentalen Unterschiede zwischen echten Nachhaltigkeitsfonds und Greenwashing-Produkten immer wieder vor Augen zu führen.

Letztlich geht es darum, eine aktive Rolle als Investor einzunehmen. Stellen Sie kritische Fragen, fordern Sie Transparenz und treffen Sie Entscheidungen, die auf Fakten basieren, nicht auf Marketing. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Portfolio mit den Augen eines Ermittlers zu analysieren und eine Anlagestrategie zu entwickeln, die wirklich zu Ihren Werten passt.

Häufige Fragen zu echtem ESG-Investment

Welche Banken bieten echte Zinsvorteile für nachhaltige Projekte?

Die GLS Bank, Triodos Bank und UmweltBank gewähren nachweislich bessere Konditionen für nachhaltige Vorhaben, insbesondere bei der Baufinanzierung für Effizienzhäuser in Deutschland.

Was sind Sustainability-Linked Loans?

Dies sind Darlehen, deren Zinssatz an das Erreichen konkreter Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens gekoppelt ist. Sie konzentrieren sich auf alle Aspekte der Nachhaltigkeit, von der Finanzierung grüner und sozialer Projekte bis hin zu umfassenderen ESG-Zielen. Das Vorhandensein solcher Kredite ist ein starkes Signal für die Ernsthaftigkeit der Nachhaltigkeitsbemühungen eines Unternehmens.

Wie prüfe ich, ob ein Unternehmen echte ESG-Ziele verfolgt?

Achten Sie darauf, ob sich das Unternehmen zu Sustainability-Linked Loans verpflichtet hat. Da hier finanzielle Konsequenzen (höhere oder niedrigere Zinsen) direkt an die Zielerreichung geknüpft sind, ist dies ein viel stärkeres Signal für ernsthafte Nachhaltigkeitsbemühungen als bloße Absichtserklärungen in einem Nachhaltigkeitsbericht.

Geschrieben von Felix Baumgartner, Mobilitätsberater und Verkehrsplaner für kommunale und betriebliche Elektromobilität. Experte für Ladeinfrastruktur, E-Fuhrparkmanagement und multimodale Verkehrskonzepte.