Veröffentlicht am März 11, 2024

Die größte Kostenfalle auf Ihrer Stromrechnung ist nicht Ihr Gesamtverbrauch, sondern eine einzige, unkontrollierte Viertelstunde im Jahr, die den Leistungspreis diktiert.

  • Der Leistungspreis, bestimmt durch die höchste Lastspitze, kann bis zu 40 % Ihrer gesamten Stromkosten ausmachen.
  • Intelligentes Lastmanagement beginnt nicht mit teurer Technik, sondern mit einfachen, kostengünstigen organisatorischen Maßnahmen mit hohem ROI.

Empfehlung: Beginnen Sie mit einer Analyse Ihres Lastprofils (Lastgang), um die wahren Verursacher der Spitzen zu identifizieren, bevor Sie in automatisierte Systeme investieren.

Die monatliche Stromrechnung für Ihren Betrieb landet auf dem Tisch und sorgt für Kopfschütteln. Der Verbrauch (Arbeitspreis) scheint nachvollziehbar, aber eine Position – der Leistungspreis – treibt die Gesamtsumme in schwindelerregende Höhen. Sie haben bereits versucht, das Licht auszuschalten und Mitarbeiter zum Sparen angehalten, doch der Effekt ist minimal. Dieses Gefühl der Ohnmacht gegenüber einer scheinbar willkürlichen Kostenposition kennen viele Betriebsleiter von kleinen und mittleren Unternehmen, insbesondere in energieintensiven Branchen wie Bäckereien oder der produzierenden Industrie.

Die gängigen Ratschläge wie die Installation einer PV-Anlage sind zwar sinnvoll, lösen aber das Kernproblem nicht immer. Das eigentliche Problem ist oft unsichtbar und versteckt sich in den Daten Ihres Stromverbrauchs. Es ist wie ein stiller Saboteur, der nur für 15 Minuten im Jahr zuschlägt, aber für die Kosten eines ganzen Jahres verantwortlich ist. Die Wahrheit ist: Die Kontrolle über diesen Kostenblock ist nicht nur möglich, sie ist der größte einzelne Hebel, um Ihre Energiekosten zu senken.

Doch der Schlüssel liegt nicht im blinden Sparen oder im Verzicht auf Produktivität. Der Schlüssel liegt in der intelligenten Orchestrierung Ihres Verbrauchs. Es geht darum, sich vom passiven Rechnungsempfänger zum aktiven Energiemanager zu entwickeln – zu einer Art „Lastgang-Detektiv“, der die Muster und Ursachen der teuersten Viertelstunde des Jahres aufdeckt und gezielt eliminiert. Dieser Artikel führt Sie genau dorthin. Wir sezieren den Leistungspreis, zeigen Ihnen, wie Sie mit einfachen Mitteln beginnen und schrittweise eine robuste Strategie aufbauen, um diesen Kosten-Tsunami endgültig zu bändigen.

Um die gewaltigen, oft versteckten Kostenpotenziale in Ihrem Betrieb zu heben, haben wir diesen Leitfaden strukturiert. Er führt Sie von der Analyse des Problems bis hin zu konkreten, umsetzbaren Lösungsstrategien, die speziell auf die Bedürfnisse von deutschen KMUs zugeschnitten sind.

Warum macht der Leistungspreis oft 40 % Ihrer gewerblichen Stromkosten aus?

Für viele Gewerbebetriebe mit einem Jahresverbrauch über 100.000 kWh ist der Leistungspreis der schlafende Riese auf der Stromrechnung. Während der Arbeitspreis (in Cent pro kWh) den reinen Verbrauch abrechnet, ist der Leistungspreis (in Euro pro kW) eine Art Versicherungsprämie für das Stromnetz. Sie zahlen dafür, dass der Netzbetreiber zu jeder Zeit eine bestimmte maximale Leistung für Sie bereithält. Das Fatale daran: Gemessen wird die höchste durchschnittliche Leistungsaufnahme innerhalb eines 15-Minuten-Fensters im gesamten Abrechnungsjahr. Eine einzige unachtsame Viertelstunde, in der zum Beispiel der große Backofen, die Klimaanlage und die neuen E-Stapler gleichzeitig laufen, kann den Leistungspreis für die nächsten 12 Monate in die Höhe treiben.

Dieser Effekt wird durch die aktuelle Entwicklung der Netzentgelte noch verschärft. Während der reine Energiepreis schwankt, steigen die Kosten für die Netzinfrastruktur kontinuierlich an. Allein zum Jahreswechsel haben sich laut einer Analyse die Übertragungsnetzentgelte in Deutschland 2024 fast verdoppelt, von 3,12 auf 6,43 Cent pro Kilowattstunde. Diese Kosten fließen direkt in Ihren Arbeitspreis und indirekt in die Kalkulation des Leistungspreises ein. Für einen Betrieb bedeutet das: Selbst bei sinkendem Gesamtverbrauch können die Stromkosten durch eine einzige, unkontrollierte Lastspitze explodieren.

Die Verbrauchs-Orchestrierung wird damit zur zentralen Aufgabe. Es geht nicht darum, weniger zu produzieren, sondern darum, die Prozesse so zu steuern, dass die maximale, gleichzeitige Leistungsanforderung minimiert wird. Wer diese „teuerste Viertelstunde des Jahres“ identifiziert und gezielt entschärft, hat den mächtigsten Hebel zur Senkung der Stromkosten in der Hand.

Wie richten Sie eine Vorrangschaltung ein, damit der Ofen nicht ausgeht, wenn das Auto lädt?

Die effektivste Methode zur Vermeidung von Lastspitzen ist die Priorisierung Ihrer Verbraucher. Nicht jeder Prozess in Ihrem Betrieb hat die gleiche Dringlichkeit. Ein Backofen in einer Bäckerei muss zuverlässig laufen, um die Produktion zu sichern. Das Laden eines Gabelstaplers oder das Aufheizen eines Boilers kann hingegen oft flexibel gehandhabt werden. Hier kommt die Vorrangschaltung oder Prioritäten-Kaskade ins Spiel. Es ist ein logisches System, das sicherstellt, dass kritische Anlagen immer mit Strom versorgt werden, während weniger wichtige Verbraucher bei drohender Überlastung kurzzeitig gedrosselt oder abgeschaltet werden.

Stellen Sie sich eine dreistufige Pyramide vor. An der Basis befinden sich die unverzichtbaren, geschäftskritischen Prozesse (z.B. Produktionsanlagen, Server). In der Mitte stehen steuerbare, aber wichtige Verbraucher (z.B. Klimatisierung, gesteuerte Ladestationen). An der Spitze finden sich flexible, leicht verschiebbare Lasten (z.B. Warmwasserbereitung, Batterieladung).

Dreistufige Pyramide zeigt Prioritäten der Energieverbraucher im Unternehmen

Ein intelligentes Energiemanagementsystem (EMS) überwacht permanent die Gesamtleistung am Netzanschlusspunkt. Nähert sich der Verbrauch dem kritischen Schwellenwert für den Leistungspreis, beginnt das System, die Verbraucher von oben nach unten in der Pyramide zu drosseln. So wird die teure Lastspitze gekappt, ohne dass der Kernbetrieb beeinträchtigt wird. Dieses Prinzip hat sich bereits in der Praxis bewährt: So konnte eine Supermarktkette durch ein zentrales Lastmanagementsystem an ihren deutschlandweiten Standorten nicht nur die Netzentgelte signifikant reduzieren, sondern auch die Nutzung von selbst erzeugtem Solarstrom optimieren, indem nicht-kritische Kühlungen gezielt dann liefen, wenn die Sonne schien.

Automatisches System oder organisatorische Maßnahmen: Was spart initial mehr Geld?

Die gute Nachricht ist: Der Einstieg ins Lastmanagement muss nicht teuer sein. Oft bringen einfache organisatorische Änderungen bereits erhebliche Einsparungen und einen extrem schnellen Return on Investment (ROI). Die entscheidende Frage für jedes KMU ist, welcher Weg anfangs der richtige ist: manuelle Organisation oder sofortige Automatisierung?

Organisatorische Maßnahmen sind die „Quick Wins“. Dazu gehören die Einführung versetzter Pausenzeiten, damit nicht alle Maschinen gleichzeitig wieder anlaufen, die Anpassung von Schichtplänen, um energieintensive Prozesse in Nebenzeiten zu verlagern, oder klare Anweisungen an die Mitarbeiter, wann bestimmte Geräte (z.B. Kompressoren, große Reinigungsgeräte) genutzt werden dürfen. Die Anfangsinvestition ist minimal, der Personalaufwand für die Koordination und Kontrolle jedoch hoch. Initial ist der ROI oft am höchsten, da kaum Kosten anfallen.

Ein automatisches Energiemanagementsystem (EMS) hingegen erfordert eine höhere Anfangsinvestition, reduziert aber den Personalaufwand nach der Einrichtung auf ein Minimum und bietet eine deutlich höhere Prozesssicherheit. Menschliche Fehler werden ausgeschlossen. Langfristig übersteigt der ROI eines automatisierten Systems den der reinen Organisation, wie eine vergleichende Analyse von ROI-Szenarien zeigt.

ROI-Vergleich: Automatisierung vs. Organisation
Kriterium Organisatorische Maßnahmen Automatisches EMS Hybride Strategie
Anfangsinvestition < 5.000 € 20.000-50.000 € 10.000-20.000 €
ROI nach 1 Jahr 200-400% 20-40% 100-200%
ROI nach 5 Jahren 150% 300-500% 400%
Personalaufwand Hoch (kontinuierlich) Niedrig (nach Setup) Mittel
Prozesssicherheit Mittel Sehr hoch Hoch
Skalierbarkeit Begrenzt Sehr gut Gut

Für die meisten deutschen KMUs ist eine hybride Strategie der ideale Weg. Man startet mit den kostengünstigen organisatorischen Maßnahmen, um sofort Einsparungen zu realisieren und das Bewusstsein im Team zu schärfen. Parallel dazu analysiert man den Lastgang, um die größten Hebel zu identifizieren, und automatisiert dann gezielt nur diese Hauptverbraucher. So kombiniert man das Beste aus beiden Welten.

Ihr Plan für eine hybride Lastmanagement-Strategie

  1. Phase 1: Kostengünstige organisatorische Quick-Wins umsetzen (versetzte Pausenzeiten, Schichtanpassungen)
  2. Phase 2: Lastganganalyse über 3-6 Monate durchführen, größte Einsparpotenziale identifizieren
  3. Phase 3: Gezielte Automatisierung nur der identifizierten Hauptverbraucher mit maximalem Einsparpotenzial
  4. Phase 4: Kontinuierliche Optimierung durch Kombination aus automatischer Steuerung und organisatorischen Feinabstimmungen

Das Risiko der Netzentgelterhöhung, wenn Sie Ihre neuen E-Stapler gleichzeitig laden

Die Elektrifizierung des Fuhrparks, sei es durch E-Autos oder E-Gabelstapler, ist ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Doch sie birgt eine versteckte Gefahr für Ihre Stromrechnung: unkontrollierte Ladespitzen. Wenn am Ende einer Schicht mehrere Stapler gleichzeitig an die Ladesäule angeschlossen werden, kann dies eine massive Lastspitze erzeugen, die Ihren mühsam optimierten Leistungspreis zunichtemacht. Der Gesetzgeber in Deutschland hat diese Herausforderung erkannt und mit der Neuregelung des § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) reagiert, die seit dem 1. Januar 2024 in Kraft ist.

Die Regelung zielt darauf ab, die Stromnetze vor Überlastung durch den gleichzeitigen Ladebedarf von Elektrofahrzeugen und anderen steuerbaren Verbrauchern wie Wärmepumpen zu schützen. Für Unternehmen bedeutet das konkret: Neue Ladeeinrichtungen mit einer Leistung von mehr als 4,2 kW müssen dem Netzbetreiber gemeldet werden und steuerbar sein. Im Gegenzug für die Bereitschaft, die Ladeleistung im Bedarfsfall durch den Netzbetreiber reduzieren zu lassen, erhalten Sie eine Reduzierung der Netzentgelte. Dies ist keine Option, sondern eine Pflicht für Neuanlagen.

Als Betreiber haben Sie dabei die Wahl zwischen zwei Modulen zur Entlastung:

  • Modul 1: Pauschale Reduzierung: Sie erhalten einen festen jährlichen Rabatt auf die Netzentgelte, der je nach Netzbetreiber zwischen ca. 110 und 190 Euro liegen kann.
  • Modul 2: Prozentuale Reduzierung: Der Arbeitspreis für die Netzentgelte wird um 60 % reduziert. Dies lohnt sich vor allem bei hohem Stromverbrauch der steuerbaren Geräte.

Die technische Voraussetzung ist die Installation einer zertifizierten Steuerbox, die dem Netzbetreiber den Zugriff ermöglicht. Für Bestandsanlagen, die vor 2024 in Betrieb genommen wurden, gibt es eine Übergangsregelung bis Ende 2028. Ignorieren Sie diese neuen Spielregeln, riskieren Sie nicht nur den Verlust von Vergünstigungen, sondern im schlimmsten Fall auch eine instabile Stromversorgung.

Wann sollten energieintensive Prozesse laufen, um Lastspitzen sicher zu glätten?

Die Identifizierung der *Was*-Frage (welche Verbraucher verursachen Spitzen?) ist der erste Schritt. Die Beantwortung der *Wann*-Frage ist der zweite, ebenso entscheidende Hebel. Die gezielte Verschiebung von energieintensiven Prozessen in Zeiten mit geringer Grundlast ist eine der effektivsten Methoden des Lastmanagements. Der Schlüssel dazu liegt in der detaillierten Analyse Ihres Lastgangs, oft im Rahmen einer durch das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) geförderten Energieberatung.

Typischerweise ist die Grundlast in einem Gewerbebetrieb während der Kernarbeitszeiten am höchsten. Prozesse, die nicht zwingend an diese Zeiten gebunden sind, sollten in die Schwachlastzeiten verlagert werden. Das sind in der Regel die Nachtstunden (ca. 22:00 bis 06:00 Uhr) und die Wochenenden. Beispiele für verlagerbare Prozesse sind:

  • Das Aufladen von Batteriespeichern oder Fahrzeugflotten.
  • Längere Reinigungszyklen mit hohem Energiebedarf.
  • Das Vorheizen oder Vorkühlen von Anlagen und Räumen.
  • Bestimmte Produktionsschritte, die automatisiert und ohne Personal ablaufen können.

Dieser Ansatz wird noch wirkungsvoller, wenn Sie ihn mit dynamischen Stromtarifen kombinieren, die niedrigere Preise in den Nachtstunden bieten. Die Visualisierung des 24-Stunden-Profils Ihres Betriebs hilft, diese Potenziale auf einen Blick zu erkennen.

24-Stunden-Zeitachse zeigt optimale Lastverteilung bei variablen Strompreisen

Eine weitere strategische Möglichkeit ist die sogenannte atypische Netznutzung nach § 19 Abs. 2 StromNEV. Wenn Sie nachweislich und vorhersehbar Ihre absolute Lastspitze in die vom Netzbetreiber definierten Schwachlastzeiten verlegen, können Sie eine erhebliche Reduzierung Ihrer individuellen Netzentgelte beantragen. Dies erfordert eine präzise Dokumentation und Planung, kann aber Einsparungen von bis zu 80 % bei den Netzentgelten ermöglichen – ein gewaltiger Anreiz, die zeitliche Verteilung Ihres Energieverbrauchs strategisch zu überdenken.

Redox-Flow oder Lithium: Welcher Speicher puffert Ihre Lastspitzen am günstigsten?

Ein Batteriespeicher ist das ultimative Werkzeug im Lastmanagement. Er agiert als Puffer: Statt teuren Strom aus dem Netz zu ziehen, um eine Spitze zu bedienen, liefert der Speicher die benötigte Energie. Er kann mit günstigem Nachtstrom oder überschüssigem Solarstrom geladen werden und gibt diese Energie dann frei, wenn sie am teuersten ist. Bei der Auswahl der richtigen Technologie für die gewerbliche Lastspitzenkappung stehen sich hauptsächlich zwei Systeme gegenüber: Lithium-Ionen und Redox-Flow.

Lithium-Ionen-Speicher sind die bekannteste Technologie. Ihre Stärke liegt in der hohen Energiedichte und der Fähigkeit, sehr schnell hohe Leistungen abzugeben. Sie sind kompakt und ideal, um kurze, sehr hohe und unvorhersehbare Lastspitzen abzufangen. Allerdings sind sie mit einem höheren Brandschutzaufwand verbunden und ihre Lebensdauer ist durch eine begrenzte Anzahl von Ladezyklen limitiert.

Redox-Flow-Batterien funktionieren anders. Die Energie wird in flüssigen Elektrolyten gespeichert, die in externen Tanks lagern. Ihre Leistung und Kapazität sind unabhängig voneinander skalierbar – man kann einfach die Tanks vergrößern, um mehr Energie zu speichern. Sie sind nicht brennbar, haben eine extrem hohe Zyklenlebensdauer (oft über 15.000 Zyklen) und sind ideal für längere, planbare Lastverschiebungen. Dafür sind die initialen Investitionskosten pro kWh höher und sie benötigen mehr Platz. Über die gesamte Lebensdauer (Total Cost of Ownership, TCO) können sie jedoch günstiger sein.

Die Wahl hängt also stark vom spezifischen Lastprofil Ihres Betriebs ab. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede basierend auf aktuellen technologischen Vergleichen zusammen:

Vergleich Batteriespeicher-Technologien für Lastspitzenkappung
Kriterium Lithium-Ionen Redox-Flow
Investitionskosten pro kWh 300-500 € 600-800 €
TCO über 15 Jahre 450 €/kWh 400 €/kWh
Zyklenlebensdauer 3.000-6.000 15.000+
Brandschutzaufwand Hoch (VDE-Normen) Niedrig
Skalierbarkeit Modular begrenzt Einfach erweiterbar
Platzbedarf Kompakt Größer
Ideal für Kurzzeitige hohe Spitzen Lange, planbare Lasten

Statisch oder dynamisch: Wie verhindern Sie, dass beim Laden die Haussicherung fliegt?

Ein Lastmanagementsystem kann auf zwei grundlegende Arten arbeiten: statisch oder dynamisch. Die Wahl zwischen diesen beiden Prinzipien entscheidet darüber, wie effizient und flexibel Sie Ihre verfügbare Anschlussleistung nutzen können – und ob Sie riskieren, dass bei hoher Auslastung sprichwörtlich die Sicherung fliegt.

Ein statisches Lastmanagement ist die einfache Variante. Hier wird einer Gruppe von Verbrauchern, zum Beispiel mehreren Wallboxen auf einem Firmenparkplatz, eine feste, maximale Gesamtleistung zugewiesen. Diese Leistung wird gleichmäßig auf alle aktiven Ladepunkte verteilt. Laden fünf Autos gleichzeitig an einem Anschluss mit 55 kW, erhält jedes Auto nur 11 kW. Diese Methode ist simpel und robust, aber auch ineffizient. Sie berücksichtigt nicht den restlichen Stromverbrauch im Gebäude und verschenkt Potenzial, da die volle Anschlussleistung selten ausgenutzt wird.

Das dynamische Lastmanagement ist die intelligente und zukunftssichere Lösung. Es agiert als zentraler Dirigent für den gesamten Stromverbrauch des Gebäudes. Es misst in Echtzeit die aktuelle Auslastung am Hausanschluss und verteilt die *tatsächlich verfügbare* Restleistung flexibel an die steuerbaren Verbraucher wie die Ladesäulen. Das Prinzip erklärt sich am besten durch ein Zitat eines Experten:

Wird ein dynamisches Lastmanagementsystem installiert, misst dieses laufend den Gesamtstromverbrauch im Gebäude und verteilt die verfügbare Anschlussleistung intelligent auf alle Wallboxen. So laden die Anwohnerinnen und Anwohner ihre E-Autos, aber die Ladeleistung wird automatisch reduziert, wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig laden oder andere grosse Verbraucher wie Wärmepumpe oder Kühlräume im Gebäude aktiv sind.

– CKW Schweiz, Lastmanagement-Ratgeber

Diese dynamische Steuerung stellt sicher, dass der Netzanschluss niemals überlastet wird, während gleichzeitig die Ladeinfrastruktur maximal ausgenutzt wird. Es ist die Grundvoraussetzung, um die Anforderungen des Gebäude-Energie-Gesetzes (GEIG) für Gewerbeimmobilien zu erfüllen und für zukünftige Technologien wie Vehicle-to-Grid (V2G) gerüstet zu sein, bei denen Fahrzeuge als temporäre Speicher ins Netz integriert werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Leistungspreis wird durch eine einzige 15-Minuten-Spitze im Jahr bestimmt und ist Ihr größter Kostenhebel.
  • Beginnen Sie mit organisatorischen Maßnahmen (z. B. versetzte Pausen), bevor Sie in automatisierte Systeme investieren – der ROI ist anfangs höher.
  • Die Kombination aus PV-Anlage, Batteriespeicher und intelligentem Lastmanagement macht Sie langfristig unabhängiger von Strompreisschwankungen.

Wie macht sich Ihr mittelständischer Betrieb unabhängig von volatilen Industriestrompreisen?

Die Jagd nach der einen, teuren Lastspitze ist der erste und wichtigste Schritt. Doch wahre Resilienz gegenüber schwankenden Strompreisen erreichen Sie erst durch eine ganzheitliche Strategie. Intelligentes Lastmanagement ist dabei nicht die alleinige Lösung, sondern der zentrale Baustein in einem Dreiklang aus Optimierung, Erzeugung und Flexibilisierung. Führende Beratungsunternehmen wie PwC Deutschland empfehlen eine 3-Säulen-Strategie, um sich langfristig von der Volatilität der Märkte abzukoppeln.

Säule 1 – Optimieren: Die günstigste Kilowattstunde ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Eine Steigerung der Energieeffizienz senkt Ihre Grundlast und damit die Basis, auf der Lastspitzen überhaupt erst entstehen. Ein Energieaudit nach DIN EN 16247, das oft staatlich gefördert wird, deckt die größten Stromfresser auf und liefert einen klaren Fahrplan zur Reduzierung des Grundverbrauchs.

Säule 2 – Erzeugen & Speichern: Eine optimal dimensionierte Photovoltaik-Anlage auf dem Firmendach senkt den Netzbezug drastisch. In Kombination mit einem Batteriespeicher (dessen Technologie auf Ihr Lastprofil abgestimmt ist) können Sie Ihren Eigenverbrauchsanteil maximieren. Der Speicher wird nicht nur zur Kappung von Lastspitzen genutzt, sondern speichert tagsüber überschüssigen Sonnenstrom für die Nacht oder für den Morgenanlauf der Produktion.

Säule 3 – Flexibilisieren: Dies ist die Domäne des intelligenten Lastmanagements. Der verbleibende Strombedarf, der nicht durch eigene Erzeugung gedeckt werden kann, wird aktiv gesteuert. Durch die Verschiebung von Lasten und die Nutzung dynamischer Stromtarife kaufen Sie Strom dann ein, wenn er am günstigsten ist, und vermeiden den Bezug während teurer Spitzenlastzeiten. Diese drei Säulen greifen ineinander und schaffen ein robustes, wirtschaftliches und nachhaltiges Energiesystem für Ihren Betrieb.

Der Weg zu niedrigeren Energiekosten und mehr Unabhängigkeit beginnt mit dem ersten Schritt. Der entscheidende Hebel liegt in der Analyse und Kontrolle Ihres eigenen Verbrauchs. Beginnen Sie noch heute damit, als „Lastgang-Detektiv“ die versteckten Kosten in Ihrem Betrieb aufzudecken und Ihre Prozesse aktiv zu orchestrieren.

Geschrieben von Andreas Volz, Prozessingenieur und Energie-Auditor für den industriellen Mittelstand. Spezialisiert auf Energieeffizienz in der Produktion, Wasserstoffanwendungen und ISO 50001 Managementsysteme.